18. November 2009 15:55
Das Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba kann nach Angaben von US-Präsident
Barack Obama erst später als geplant geschlossen werden. In einem Interview
mit dem US-Fernsehsender NBC räumte Obama am Mittwoch erstmals ein, dass die
Schließung nicht wie beabsichtigt mit Jänner 2010 erreicht werden könne.
Obama hatte die Auflösung des umstrittenen Lagers zu einem der Hauptanliegen
seiner Präsidentschaft gemacht.
"Guantanamo - wir hatten eine bestimmte Frist, die nicht eingehalten
wurde", sagte der US-Präsident in dem NBC-Interview, das am
Rande seiner Asien-Reise aufgezeichnet wurde, auf die Frage nach der
geplanten Schließung des Lagers. Der Chefberater des US-Präsidenten, David
Axelrod, hatte noch vor wenigen Tagen gesagt, er gehe davon aus, dass das
anvisierte Schließungsdatum, der 22. Jänner, "im Großen und Ganzen"
eingehalten werden könne.
Obama hatte die Schließung von Guantanamo bereits im Wahlkampf versprochen
und zu Beginn seiner Amtszeit im Jänner gesagt, das Lager werde binnen
eines Jahres geschlossen. Es gibt jedoch Schwierigkeiten bei der Umsetzung.
Ungeklärt ist etwa die Frage nach dem Verbleib einiger Häftlinge, die etwa
wegen drohender Folter nicht in ihre Heimatländer zurückkehren können. Da
ein von Obama unterzeichnetes Gesetz des US-Kongresses die Freilassung von
Ex-Guantanamo-Insassen auf dem Gebiet der USA verbietet, ist der Präsident
bei der Schließung des Lagers auf die Hilfe des Auslandes angewiesen.
In Guantanamo sitzen derzeit noch mehr als 200 Häftlinge ein, darunter
auch der selbst erklärte Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September
2001, Khalid Sheikh Mohammed, und seine vier mutmaßlichen Komplizen. Ihnen
soll vor einem zivilen Gericht in New York der Prozess gemacht werden.