15. März 2009 21:21
Das hat sich Helmut Zilk (starb am 24. Oktober 2008) nicht verdient. In der
tschechischen Presse tauchen nun Behauptungen über eine Verstrickung des
verstorbenen Wiener Bürgermeisters in Ost-Spionage auf: Nach einem Bericht
der Tageszeitung Mladá fronta Dnes habe Zilk zur Zeit des Kalten Krieges für
den tschechoslowakischen Geheimdienst StB gearbeitet. Zilk war damals
Programmdirektor des ORF und gelegentlich in Prag auf Dienstreise. Gerüchte
seien bereits 1998 aufgetaucht, aber Zilk habe auf entsprechende Fragen
ausweichend reagiert.
„Vier Jahre Spionage“
Die Zusammenarbeit mit dem StB
habe 1965 begonnen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf eine ihr
vorliegenden Akte. Knapp 60 Mal habe sich Zilk, dessen Deckname „Holec“
gewesen sein soll, bis zum Prager Frühling 1968 mit Geheimdienstleuten
getroffen. Sein angeblicher Sold für „politische Informationen aus
Österreich“: 55.000 Schilling und 13.000 Kronen. Das Geld habe Zilk an
Prager Hotelrezeptionen in Empfang genommen, will das Blatt weiter wissen.
Erfundene Namen
Rechnungen für Luster aus böhmischem Glas soll
Zilk fast ausnahmslos mit erfundenen Namen unterschrieben haben. Dieses
Vorgehen lasse den Verdacht entstehen, dass Zilk etwas zu verheimlichen
hatte, mutmaßt der tschechische Historiker Prokop Tomek in dem Bericht. Als
der tschechoslowakische Spion Ladislav Bittmann 1968 in den Westen geflohen
sei, habe die Kooperation geendet: Bittmann habe die Amerikaner aufgeklärt.
Unter CIA-Schutz
Erstaunt seien laut Zeitung die Experten
darüber, dass Zilks Karriere weiterging. Eine schräge Erklärung dafür
liefert Mladá fronta Dnes mit: Zilk sei unter Schutz des CIA gestanden.