Lokalaugenschein

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"Hier war Blut auf jedem Stein"

Ausgebrannte und in Trümmern liegende Gebäude sind die stillen Zeugen erbitterter Kämpfe in Zchinwali. Besonders gravierend sind die Zerstörungen im Verwaltungszentrum der südossetischen Hauptstadt. Mindestens ein dutzend Gebäude stehen dort nur noch als ausgebrannte Gerippe. In den Wohngebieten scheinen die Schäden geringer zu sein.

Unweit der Innenstadt, auf der Moskau-Straße, liegen Panzerteile in der Nähe eines Bombenkraters auf einem Haufen. Ein Geschützturm wurde von der Wucht einer Explosion gegen die Außenmauer eines Schulgebäudes geschleudert. Auf dem Gehsteig liegt ein abgetrennter Fuß.

"Blut auf jedem Stein"
"Hier war Blut an jedem Stein", sagt die 41-jährige Musiklehrerin Salima Grapowa, die in der Gegend wohnt. Mehrere Gebäude sind schwer beschädigt oder zerstört. In der Nähe lägen der Bahnhof und Verwaltungseinrichtungen, antwortet Grapowa auf die Frage, warum gerade dieses Viertel unter Beschuss genommen worden sei.

Die russische Regierung lud ausländische Reporter am Dienstag zu einer Fahrt durch Zchinwali ein. Die Journalisten sahen mehr als ein Dutzend Brände in offensichtlich verlassenen Wohngegenden, in denen einst Georgier lebten. Auch gab es Zeichen für Plünderungen.

"Krankenhäuser" ohne Licht, Wasser, WC
In einem Krankenhaus mussten die Patienten nach Angaben der Ärzte während des georgischen Bombardements in den Keller gebracht werden. Dort gab es weder Licht, noch Wasser oder sanitäre Anlagen. Der verliesartige Raum stank nach Exkrementen, blutverschmierte Laken und Verbände lagen herum. Zum Zeitpunkt der Kämpfe seien 224 Patienten stationär behandelt worden, sagt die Ärztin Tina Schakarowa. Den georgischen Angriff verurteilte sie als einen Akt ethnischer Säuberung. Die Ärzte könnten ihre Patienten zwar vor Krankheiten schützen, "aber wie können wir sie davor schützen?" fragt sie und hält Geschosssplitter hoch.

Russen und Georgier werfen sich gegenseitig Angriffe auf die Zivilbevölkerung vor. Nach russischen Angaben kosteten die Kämpfe rund 2.000 Osseten das Leben. Zehntausende Menschen sind aus der Region geflohen, entweder nach Russland oder in andere Teile Georgiens. Während die Südosseten über die Grenze gen Norden gezogen sind, haben sich die Georgier gen Westen gewendet, in Richtung Tiflis, oder sind nach Osten an die Schwarzmeerküste geflohen.

Feuchter Keller mit Ratten als Zufluchtsort
Viele, die in Zchinwali geblieben sind, haben Zuflucht in Kellern gesucht, andere irren zwischen zerstörten Gebäuden umher. Eine Frau sagt unter Tränen, sie habe noch nicht einmal ein Foto retten können. Und ein Mann klagt, er habe alles verloren. Der Keller, in dem er gegenwärtig hause, sei feucht und voller Ratten.

In Wladikawkas, der Hauptstadt der russischen Region Nordossetien, erzählt ein Beamter der Stadtverwaltung, er habe gerade 150 Särge in Empfang genommen, die mit dem Lastwagen nach Südossetien gebracht werden sollen. "Das ist die Art von Hilfe, die wir jetzt erhalten", sagt Witali Atajew.

Ca. 100.000 Flüchtlinge
Die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen wird auf 100.000 geschätzt, wie Ron Redmond, der Sprecher des UNO-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) sagt. Internationale Hilfe ist angelaufen. Ein vom UNHCR gechartertes Flugzeug mit 34 Tonnen Hilfsgütern an Bord landete am Dienstag auf dem Flughafen von Tiflis. Es brachte Zelte, Decken, Kanister und Küchensets.

In Zchinwali gab es auch am Dienstag wieder sporadische Gefechte. Auf die Frage eines Reporters, ob die russischen Streitkräfte vorhätten, weiter nach Georgien vorzustoßen, sagte Oberst Igor Kononenko, er habe keinen Befehl, die Truppen zu bewegen. "Wir bleiben hier", erklärte er.

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