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Immer mehr "Ehrenmorde" in Istanbul

Nirgendwo in der Türkei werden so viele Frauen zum Opfer so genannter Ehrenmorde wie in der Metropole Istanbul. Allein im vergangenen Jahr seien in der Stadt 25 Frauen getötet worden, weil sie mit ihrem Verhalten nach Ansicht ihrer Verwandtschaft die "Familienehre" befleckt hatten, meldete die Zeitung "Milliyet" am Dienstag unter Berufung auf eine Zählung der Behörden. Das bedeute, dass in der Stadt alle zwei Wochen eine Frau sterben müsse, sagte der Menschenrechtsbeauftragte des Gouverneursamtes, Vildan Yirmibesoglu, der Zeitung.

Traditionen der "Selbstjustiz"
Angesichts dieser Zahlen müsse alles getan werden, um die Mentalität der Menschen zu ändern, erklärte der Menschenrechtsbeauftragte. Insgesamt werden in der Türkei nach Schätzungen von Frauenrechtlerinnen jedes Jahr rund 120 "Ehrenmorde" an Frauen begangen. Die Bosporus-Metzropole verzeichnet einen großen Zustrom vor allem aus dem unterentwickelten Südosten der Türkei, wo alte Traditionen einer "Selbstjustiz" noch teilweise aufrecht sind.

Oftmals nichtige Auslöser
Als Auslöser für ein "Ehrenverbrechen" reicht es mitunter bereits, dass eine Frau mit einem fremden Mann spricht. Im Zuge ihrer EU-Bewerbung hatte die Türkei vor zwei Jahren die bis dahin geltenden Strafnachlässe bei "Ehrenverbrechen" abgeschafft; die Umsetzung der Gesetze ist aber oft ausgeblieben. Den von "Milliyet" veröffentlichten Zahlen zufolge steigt die Zahl der "Ehrenmorde" in Istanbul trotzdem weiter an. Nach Ansicht von Sozialwissenschaftlern werden besonders viele "Ehrenmorde" in den Städten begangen, weil dort die archaischen Vorstellungen von Familienehre mit dem modernen Leben kollidieren.

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