04. Oktober 2009 09:42
Der Iran hat nach einer vertraulichen Analyse von hohen Mitarbeitern der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA bzw. IAEO) genügend Informationen
für die Entwicklung und den Bau einer funktionierenden Atombombe, schreibt
die "New York Times" am Samstag im Internet.
Der Iran habe "höchstwahrscheinlich" die benötigten Informationen von
externen Quellen erhalten und auf eigene Bedürfnisse zugeschnitten, schrieb
die "New York Times". Der Expertenbericht betone einleitend, dass die
Schlussfolgerungen provisorisch seien und weiterer Bestätigung durch Beweise
bedürften. Diese stammten von Geheimdiensten und IAEA- Untersuchungen.
IAEA-Chef Mohammed ElBaradei ist zur Zeit zu Gesprächen in Teheran.
Komplexes Nuklearprogramm
Der Bericht mit dem Titel "Mögliche
militärische Dimensionen von Irans Nuklearprogramm" sei in Zusammenarbeit
mit einer Reihe von Atomwaffenexperten innerhalb und außerhalb der IAEA
erstellt worden. Das Dokument entwerfe das Bild eines komplexen Programmes,
das vom iranischen Verteidigungsministerium geleitet werde, dessen Ziel die
Entwicklung einer nuklearen Sprengladung sei, die von Shahab-3-Raketen
transportiert werden können. Die Shahab-3 kann Ziele im Nahen Osten und
Teile von Europa erreichen. Das Programm habe, so der Bericht,
offensichtlich früh im Jahr 2002 begonnen.
In den vergangenen Monaten habe es einen Disput darüber gegeben, ob die
Analyse veröffentlicht werden sollte, berichtete die "NYT". Das sei zwischen
IAEA-Chef Mohammed El Baradei einerseits und andererseits IAEA-Mitarbeitern
und ausländischen Regierungen, die den Druck auf den Iran erhöhen wollen,
strittig.
ElBaradei will heute (Sonntag) mit dem Leiter der iranischen Atombehörde,
Ali Akbar Salehi, die Inspektion der neuen Urananreicherungsanlage in der
Nähe der Stadt Ghom ausloten. Der Iran hatte erst vergangene Woche
eingeräumt, dass er rund 130 Kilometer südlich Teherans bei Ghom seine
zweiten Anlage zur Urananreicherung baut. Das hatte das Misstrauen vieler
Länder gegenüber den Beteuerungen der Führung in Teheran geschürt, dass sie
keine Atombombe anstrebt. Die IAEA-Inspektion der Anlage hatte Teheran bei
Gesprächen in Genf am vergangenen Donnerstag zugestanden.