Iran könnte in drei Jahren Atombombe besitzen

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Iran könnte in drei Jahren Atombombe besitzen

Der Iran braucht einer Studie zufolge noch zwei bis drei Jahre für den Bau von Atomwaffen. Der Iran habe 250 Tonnen Uranhexafluorid (UF6) angesammelt, die in angereichertem Zustand für 30 bis 50 Atomwaffen reichen würden, sagte John Chipman vom renommierten Londoner Institut für Strategische Studien (IISS) am Donnerstag bei der Vorstellung des IISS-Jahresberichts zu den weltweiten Militärkapazitäten in London.

Zentrifugen werden installiert
Teheran werde möglicherweise bis Ende März oder kurze Zeit später sein Ziel erreichen, 3000 Zentrifugen in der Anlage in Natanz zu installieren. Falls es dem Iran gelinge, die 3000 Zentrifugen ohne Probleme am Laufen zu halten, könnte damit "frühestens in zwei bis drei Jahren" das Uranhexafluorid für die Herstellung von Waffen angereichert werden.

Allerdings hält es auch das Londoner Institut für möglich, dass eine verstärkte innenpolitische Opposition im Iran die Nuklearprojekte bremsen könnten. "Es gibt Anzeichen dafür, dass politischer und wirtschaftlicher Druck einen Einfluss auf Teheran hat", sagte Chipman bei der Vorstellung des Jahresberichts mit dem Titel "The Military Balance".

Schwarzmarkt
Der Iran halte bisher den Zeitplan ein, bis Ende März die ersten 3.000 von insgesamt 54.000 Zentrifugen beschafft zu haben, sagte Chipman. Ein wesentlicher Teil davon sei über den Schwarzmarkt bezogen worden. Die für die Anreicherung von Uran eingesetzten Zentrifugen sollen nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA (IAEO) in Natanz aufgebaut werden. Eine andere Aufgabe von völlig anderer Größenordnung sei es dann aber, die Kaskade von Zentrifugen so anzuordnen, dass sie wie gewünscht arbeiten, sagte Chipman. Danach dauert es nach seiner Einschätzung noch etwa neun bis elf Monate, bis 25 Kilogramm von hoch angereichertem Uran hergestellt sind. Diese Menge würde für eine einzelne Atombombe ausreichen.

Im Iran beginnen am Donnerstag die zehntägigen Feierlichkeiten zum Jahrestag der Islamischen Revolution von 1979. Dabei könnte der Start der industriellen Produktion bekannt gegeben werden. Teheran nimmt für sich das Recht in Anspruch, Uran für die friedliche Nutzung der Atomenergie zu verarbeiten. Vor allem die USA und Israel hegen aber den Verdacht, Teheran arbeite unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung an einem militärischen Atomprogramm. Der UN-Sicherheitsrat hatte Ende Dezember die Resolution 1737 verabschiedet, in der dem Iran Strafmaßnahmen für den Fall angedroht werden, dass das Land atomaren Aktivitäten nachgeht, die zur Weiterverbreitung von Atomwaffen führen könnten.

Ex-Mossad-Chef rät zum Angriff auf Iran
Der frühere Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, Ephraim Halevi, schätzt, dass Israel die nuklearen Einrichtungen des Iran vielleicht angreifen muss. Nach Angaben des israelischen Internetportals "Ynet" vom Mittwoch fügte Halevi hinzu, er habe aber den Eindruck, dass der internationale Druck auf Teheran Wirkung zeige. Sollten die Sanktionen verschärft werden, würden die Iraner begreifen, dass es sich nicht auszahle, ihr Atomprogramm fortzusetzen.

Der israelische Verteidigungsminister Amir Peretz drängte unterdessen bei einem Treffen mit EU-Chefdiplomat Javier Solana in Brüssel auf härteren Sanktionen der EU gegenüber der Islamischen Republik. Israel werde die atomare Bedrohung aus dem Iran nicht hinnehmen, so Peretz.

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