Reinhold Messner

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"Italiens Politik ist ein Chaos!"

ÖSTERREICH: Blicken Sie noch durch in der italienischen Innenpolitik?

Reinhold Messner: Ich bin ja selbst nicht mehr als Politiker tätig und ich muss zugeben, es ist schon ein ziemliches Chaos, das nur noch schwer zu verstehen ist.

ÖSTERREICH: Warum ist Italiens Politik dermaßen in einer Schieflage?

Reinhold Messner: Wir haben ein Wahlgesetz, das es jeder Splitterpartei möglich macht, ins Parlament einzuziehen. In den USA etwa gibt es nur zwei Fraktionen, in Italien sind es mehr als dreißig. Das kann nicht funktionieren. Italien funktioniert wirtschaftlich ja nur noch, weil wir in der EU sind, sonst wären wir schon längst Dritte Welt. Was fehlt, ist eine Reform des Wahlsystems.

ÖSTERREICH: Die hat aber schon mehrmals in den letzten Jahren stattgefunden ...

Messner: Ja, aber es wurde nie völlig reformiert. Vor der Wahl gibt es schon Bündnisse, die treten dann als Gruppe an. Dann gewinnt halt Mitte-links oder Mitte-rechts und man ist auf die kleinsten Fraktionen angewiesen. Dadurch werden nie Entscheidungen getroffen.

ÖSTERREICH: Italienischen Politikern eilt außerdem der Ruf voraus, sehr korrupt zu sein ...

Messner: Die sind nicht besser oder schlechter als andere. Das politische System ist einfach schon zu sehr demokratisch. Wenn sie morgen eine Partei gründen wollen, verschaffen sie sich 0,7 Prozent und bekommen sehr viel Parteifinanzierung. Aber das verleitet natürlich auch zum Gegenspiel: Indem ich sage, ich lasse mich von großen Parteien umgarnen und schon bin ich das Zünglein an der Waage.

ÖSTERREICH: Wäre Silvio Berlusconi der bessere Premier als Romano Prodi?

Messner: Nein, absolut nicht. Er hat Gott und die Welt versprochen, was er aber nur für sich geschafft hat. Aber wirtschaftlich hat er Italien nicht verbessert, sondern nur Geld rausgeworfen.

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