Jugendliche stürmten TV-Sender in Athen Jugendliche stürmten TV-Sender in Athen

Mit Transparent

 

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Jugendliche stürmten TV-Sender in Athen

Um den seit Tagen andauernden Protesten in Griechenland Nachdruck zu verleihen, hat eine Gruppe junger Demonstranten das Programm des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders Net in Athen unterbrochen. Während ihres erzwungenen Kurzauftritts in der Nachrichtensendung am Dienstag riefen sie die Zuschauer zur Beteiligung an den Protesten auf. In Athen und in Thessaloniki kam es erneut zu gewaltsamen Protesten gegen die Polizei.

Transparent mit "Geht auf die Straße"
Als der Fernsehsender NET gerade eine Rede von Regierungschef Kostas Karamanlis vor Abgeordneten seiner Partei Nea Dimokratia (Neue Demokratie) zeigte, unterbrachen die Demonstranten das Programm. Die jungen Leute tauchten plötzlich für etwa 20 Sekunden auf den Bildschirmen auf und hielten schweigend ein Transparent mit der Aufschrift "Hört auf zuzusehen, geht auf die Straße" hoch. Der Sender unterbrach das Programm und sendete kurz Werbung. Über den Hintergrund der Unterbrechung wurden die Zuschauer zunächst nicht informiert.

TV-Sender: "Opfer von Invasion"
Erst etwa 40 Minuten später wandte sich NET-Chef Christos Panagopoulos an die Zuschauer. Der Sender sei Opfer einer "Invasion von kleinen Gruppen" aus etwa 25-Jährigen geworden, sagte er während eines Auftritts in den Nachrichten. Die jungen Leute hätten sich als Besucher in kleinen Gruppen Zutritt zu dem Sender verschafft und sich offenbar mit Fernsehtechnik ausgekannt. Sie hätten den Sendekontrollraum gestürmt und die dort arbeitenden Mitarbeiter hinausgetrieben, sagte Panagopoulos weiter.

Grenzen überschritten
Panagopoulos kritisierte, ein derartiger "Akt der Gewalt" überschreite klar die Grenzen der Demokratie. Vergangene Woche hatten Demonstranten zwei Athener Radiosender und einen Fernsehsender in Patras gestürmt. Seit rund eineinhalb Wochen wird Griechenland von Ausschreitungen zumeist junger Leute erschüttert. Grund für die Proteste ist der Tod eines 15-Jährigen am 6. Dezember, der durch einen Schuss eines Polizisten starb.

Polizeibus ging in Flammen auf
Am Dienstagvormittag griffen etwa 40 Jugendliche den Hauptsitz der griechischen Bereitschaftspolizei mit Molotow-Cocktails an. Ein Polizeibus ging in Flammen auf, zudem wurden vier Streifenwagen beschädigt. In mehreren Athener Vierteln verteilten Schüler und Studenten Flugblätter mit polizeikritischen Texten. Für den Abend war eine Protestveranstaltung in der Nähe der Polizeiwache von Exarchia geplant, dem Viertel, in dem der 15-Jährige ums Leben gekommen war. Rund 600 Schulen sowie mehrere Universitätsgebäude in Athen und Thessaloniki waren nach Angaben der Demonstranten in Griechenland weiter besetzt. Nach Regierungsangaben werden nur noch etwa 100 Schulen besetzt.

Demos vor Gericht in Thessaloniki
In Thessaloniki demonstrierten etwa 250 Jugendliche vor einem Gericht, in dem ein Urteil gegen griechische Polizisten gesprochen wurde. Sie bewarfen die Polizeibeamten mit Steinen und anderen Wurfgeschoßen, die Polizei trieb sie mit Tränengas auseinander. Nach Angaben aus Justizkreisen verurteilte das Gericht die acht angeklagten Polizisten zu Haftstrafen zwischen 15 Monaten und dreieinhalb Jahren. Sie hatten demnach vor zwei Jahren bei einer Demonstration in Thessaloniki einen Studenten verprügelt und dabei schwer verletzt. Die Beamten gingen den Angaben zufolge jedoch in Berufung und kamen zunächst frei.

Foto: (c) AP

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