Karadzic-Verbündete kommt frei

Nach 6 Jahren Haft

Karadzic-Verbündete kommt frei

Während in Den Haag gegen ihren einstigen Mentor Radovan Karadzic der Kriegsverbrecherprozess beginnt, verlässt in Schweden die frühere Präsidentin der bosnisch-serbischen Republik (Republika Srpska), Biljana Plavsic, vorzeitig das Gefängnis. Wie die Belgrader Zeitung "Politika" am Montag berichtete, soll die wegen 2003 für "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" im Balkan-Krieg zu elf Jahren Haft verurteilte Plavsic am Dienstag von Stockholm aus nach Belgrad fliegen.

Mit an Bord der Regierungsmaschine soll Milorad Dodik sein, Regierungschef der bosnischen Serbenrepublik, der zur Freilassung der Politikerin nach Schweden gereist war. Die 79-jährige Plavsic will sich nach eigener Aussage in Belgrad niederlassen.

Verantwortlich für Srebrenica-Massaker
Plavsic wurde als eine der Hauptverantwortlichen für die Ermordung mehrerer tausend Bosnier im Balkan-Krieg 1992 bis 1995 sowie für ethnische Massenvertreibungen wegen Kriegsverbrechen verurteilt. Einen Tag vor der geplanten Freilassung nach ihrer Haft im schwedischen Frauengefängnis Hinseberg begann in Den Haag der Prozess gegen den früheren bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic. Der 64-Jährige gilt ebenso wie Plavsic und der weiter flüchtige Ex-General Ratko Mladic unter anderem als verantwortlich für das Massaker in Srebrenica, bei dem im Sommer 1995 mehr als 7.000 muslimische Burschen und Männer ermordet wurden.

In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo protestierten zahlreiche Hinterbliebene von Opfern gegen die frühzeitige Freilassung von Plavsic. In Stockholm verlangte der frühere Justizminister und sozialdemokratische Oppositionssprecher Tomas Bodström eine parlamentarische Untersuchung des Freilassungsbeschlusses durch Schwedens Regierung. Er bezeichnete Außenminister Carl Bildt als "befangen", weil dieser vor der Verurteilung von Plavsic deren Verhalten nach dem Krieg als "mutig" eingestuft hatte.

Die heute 79-Jährige hatte vor dem Tribunal in Den Haag ihr Verhalten im Balkan-Krieg ausdrücklich bereut. In einem Interview Anfang dieses Jahres widerrief sie diese Aussage und begründete sie mit dem Ziel, so "einen Kuhhandel" mit dem Gericht möglich zu machen. Sie habe sich in Wirklichkeit nichts vorzuwerfen. Ihre Haft büßte sie auf eigenen Wunsch in Schweden ab.

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