Krebs-Alarm in Neapel

Immer mehr Fälle

Krebs-Alarm in Neapel

Binnen 15 Jahren ist die Zahl der registrierten Krebsfälle in der Umgebung von illegalen Mülldeponien in der süditalienischen Region Kampanien um 84 Prozent gestiegen. Vor allem Leukämie, Magen- und Darmkrebs treten besonders häufig auf. Das geht aus einem Bericht des italienischen Gesundheitsinstituts hervor.

Über 1.200 illegale Mülldeponien
"In 196 Gemeinden nördlich von Neapel befinden sich 1.240 illegalen Mülldeponien. Einige Krankheiten kommen dort häufiger vor, wo die Umweltbelastung stärker ist. Vor allem Lungen-, und Magenkrebs treten in belasteten Gebieten auf. Auch angeborene Missbildungen bei Kindern treten in dieser Gegend häufiger als im Rest des Landes auf", sagte der Epidemiologe Fabrizio Bianchi.

"Wir alle haben zumindest einen kranken Familienangehörigen zu Hause", sagen die Menschen im neapolitanischen Vorort Pianura, die sich gegen die Wiedereröffnung einer seit 1996 gesperrten Mülldeponie wehren. Die Proteste sind in den vergangenen Tagen mehrfach in Krawalle ausgeartet.

26 Mio. Tonnen Müll verschwinden jährlich
In Italien verschwinden jährlich 26 Millionen Tonnen Müll - 25 Prozent des im ganzen Land produzierten Abfalls. Neben Drogenhandel und Prostitution ist die illegale Entsorgung gefährlicher Stoffe und giftiger Substanzen zum rentabelsten Geschäft der Mafia aufgerückt.

Mafia verdient 1,5 Mrd. Euro an Giftmüll
Laut einer Studie der Umweltorganisation Legambiente erwirtschaftet die Mafia jährlich 1,5 Mrd. Euro mit der Verfrachtung von Giftmüll in die Dritte Welt oder der Entsorgung auf illegalen Deponien. Gefährliche Substanzen und Reste chemischer Verarbeitung würden auch als harmloser Abfall auf öffentlichen Deponien oder in Verbrennungsanlagen entsorgt, warnt Legambiente.

"Jedes Jahr verschwinden elf Millionen Tonnen Giftmüll, die von italienischen Unternehmen produziert werden. 300.000 Tonnen davon sind extrem giftig. Der Handel mit Giftmüll ist zu einem Riesenproblem geworden", erklärte Legambiente-Sprecher Roberto Della Seta. Italien produziert zehn Prozent des Giftmülls in Europa, das sind 5,3 Millionen Tonnen.

Illegale Deponien um 90 Prozent günstiger als legale
Die Zahl der illegalen Deponien sei in den vergangenen Jahren auf über 4.000 gestiegen, 705 davon enthalten schwer schädliche Substanzen, heißt es bei Legambiente. Ein Drittel der Müllentsorgungsanlagen in Italien sei illegal. Laut der Umweltorganisation gründen mafiaartige Organisationen Scheinfirmen, die die Ausschreibungen für die Entsorgung der Giftstoffe der Großindustrie gewinnen. Wegen der Anbote, die bis zu 90 Prozent günstiger als jene der legalen Konkurrenten sind, machen sie Geschäfte in Millionenhöhe.

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