21. März 2008 08:39
Der deutsche Rabbiner Walter Homolka übt heftige Kritik an der von Papst
Benedikt XVI. neu formulierten katholischen Karfreitagsfürbitte für den
alten Ritus. "Die katholische Kirche hat ihre antisemitischen Tendenzen
nicht im Griff", sagte der liberale Berliner Rabbi in einem am
Gründonnerstag veröffentlichten Interview mit "Spiegel Online".
Der Papst nehme die Verstärkung solcher Tendenzen mit der neu eingeführten
Formulierung "zumindest in Kauf". "Der Karfreitag wird ein
schwarzer Tag in den Beziehungen von Juden und Katholiken."
Seine Kritik fügte sich in eine Reihe von Protesten von Rabbinern ein. Die
Beziehungen zwischen katholischer Kirche und jüdischer Gemeinschaft stünden
schlagartig vor einer Zerreißprobe, wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr,
denkt Homolka.
Der Papst hatte vor einigen Monaten die Formulierung der Fürbitte für die
Juden im 2007 wieder allgemein zugelassenen alten römischen Messritus
geändert. Darin heißt es: "Lasset uns auch beten für die
Juden, auf dass Gott unser Herr ihre Herzen erleuchtet, damit sie Jesus
Christus erkennen, den Retter aller Menschen." Der ursprüngliche
Text von 1962 hatte gelautet: "Lasst uns auch beten für die Juden:
Gott, unser Herr, möge den Schleier von ihren Herzen wegnehmen, auf dass
auch sie unseren Herrn Jesus Christus erkennen."
"Das Ziel des Dialogs ist nicht die Vereinigung oder Vereinnahmung.
Wir wollen einander verstehen lernen", räumte der liberale Rabbiner
ein. Dazu gehöre aber, "Verletzungen zu vermeiden, wie sie uns
durch die Karfreitagsfürbitte des Papstes zugefügt wurden".
Papst trägt Kreuz selbst
Mit dem traditionellen Kreuzweg am
Kolosseum in Rom steht heute ein Höhepunkt der Osterfeierlichkeiten auf dem
Programm von Papst Benedikt XVI. In Gedenken an den Leidensweg Jesu Christi
vor 2000 Jahren machen sich die Pilger am Abend im Schein von Fackeln auf
den Weg zur Via Crucis im Zentrum der Ewigen Stadt. Der Papst, der im April
81 Jahre alt wird, will das Kreuz an den letzten drei der insgesamt 14
Stationen selbst tragen. Die Passionsszenen zeichnen den Leidensweg Jesu
nach.
Kreuzweg in Jerusalem
Tausende Gläubige haben am Karfreitag am
traditionellen Kreuzweg in Jerusalem teilgenommen. Einige trugen schwere
Holzkreuze, um an das Leiden Jesu zu erinnern. In der Grabeskirche berührten
Pilger den Stein, auf dem die Leiche Christi der Überlieferung zufolge
gewaschen wurde, nachdem sie vom Kreuz genommen war. Nach Polizeiangaben
waren tausende Sicherheitskräfte im Einsatz.
Der Überlieferung zufolge wurde der Glaubensgründer an einem Freitag um
9.00 Uhr auf dem Hügel Golgatha bei Jerusalem gekreuzigt. Dorthin hatte er
sein Kreuz aus Jerusalem selbst getragen. Sechs Stunden später starb er,
heißt es. Nach christlichem Glauben stand er drei Tage später wieder von den
Toten auf. Seine Auferstehung, in der sie einen Beleg für das ewige Leben
der Menschen auch nach ihrem Tod sehen, feiern die Christen mit dem
Osterfest.
Neben dem Karfreitag wird in Jerusalem das jüdische Purim-Fest gefeiert.
Die Muslime feierten am gestrigen Donnerstag den Geburtstag ihres Propheten
Mohammed.