Mehr als 100 Tote nach tagelangen Kämpfe im Irak

Radikale Schiiten

© EPA/HAIDER AL-ASSADEE

Mehr als 100 Tote nach tagelangen Kämpfe im Irak

Bei den anhaltenden schweren Kämpfen zwischen den Streitkräften im Irak und Anhängern des radikalen Schiitenpredigers Muktada al-Sadr sind mehr als 100 Menschen getötet worden. Laut Polizei starben allein bei Gefechten in Kut südöstlich von Bagdad Donnerstag früh 44 Menschen. In der Hafenstadt Basra, wo die Kämpfe am Dienstag nach einem Militäreinsatz begonnen hatten, wurde eine Öl-Pipeline durch einen Sprengstoffanschlag beschädigt. Wütende Schiiten forderten den Rücktritt von Regierungschef Nuri al-Maliki, der den Befehl zu der Armee-Offensive gegeben hatte. US-Präsident George W. Bush bewertete das Vorgehen der irakischen Regierung positiv.

Vom Scharmützel zum schweren Gefecht
In Kut töteten irakische Sicherheitskräfte nach Polizeiangaben 40 schiitische Milizionäre. Auch vier Polizisten seien ums Leben gekommen und mindestens 75 Menschen verletzt worden, sagte der örtliche Polizeichef. Die Kämpfe hätten kurz nach Mitternacht begonnen. Die Polizei habe die betroffenen Viertel mittlerweile unter Kontrolle. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es in Kut sporadische Scharmützel gegeben, bei denen Augenzeugen zufolge Milizionäre durch die Straßen stürmten und Läden und öffentliche Gebäude in Brand steckten.

Die Totenzahl nach den Gefechten im schiitischen Bezirk Sadr City von Bagdad stieg nach amtlichen Angaben auf 30. Auch in der Provinz Babylon starben irakischen und US-Vertretern zufolge acht Menschen bei Kämpfen.

Selbstmordanschlag auf Konvoi
Aus Basra, wo die Kämpfe auch am Donnerstag weitergingen, meldete das Rote Kreuz 23 Tote. Wie ein AFP-Reporter berichtete, gab es am Morgen im Jumhurija-Viertel im Zentrum - einer Hochburg von Sadrs Mahdi-Armee - schwere Gefechte. In der Nacht hatte ein Selbstmordattentäter einen Anschlag auf den Konvoi des örtlichen Polizeichefs verübt. Dieser blieb nach Polizeiangaben unverletzt, drei Polizisten wurden jedoch getötet. Laut US-Armee verlegte die irakische Regierung 2.000 zusätzliche Sicherheitskräfte nach Basra. Seit dem Rückzug der britischen Truppen im Dezember sind die einheimischen Behörden selbst für die Sicherheit in dem wichtigen Öl-Hafen verantwortlich.

Schwarze Wolke durch Pipeline-Brand
Basra war am Donnerstag durch den Brand der beschädigten Öl-Pipeline in eine Wolke aus schwarzem Rauch gehüllt. Ein Sprecher des betroffenen Konzerns Southern Oil Company sagte AFP, die Pipeline sei am Morgen durch einen Sprengstoffanschlag beschädigt worden. Der Öl-Export aus dem Irak werde dadurch in Mitleidenschaft gezogen.

Schiiten: "Maliki ist ein US-Agent"
In Sadr City, einem überwiegend von Schiiten bewohnten Bagdader Stadtteil mit rund zwei Millionen Einwohnern, versammelte sich eine Menschenmenge und forderte Malikis Rücktritt. "Maliki ist ein US-Agent", "Maliki, verlasse die Regierung" riefen sie und "Wie konntest du nur Basra angreifen?". Im Norden der Hauptstadt trugen Anhänger Sadrs einen mit rotem Stoff bedeckten Sarg, auf dem ein Foto Malikis vor dem Hintergrund einer US-Flagge befestigt war. Maliki hatte die Aufständischen in Basra am Mittwoch zur Waffenabgabe aufgefordert und dafür ein Ultimatum von 72 Stunden gesetzt.

Bush: "Positiver Moment"
Bush begrüßte in einem von mehreren ausländischen Medien veröffentlichten Interview das entschlossene Vorgehen der Regierung in Bagdad. Demnach sprach er von einem "positiven Moment" in der Entwicklung des Landes, weil Bagdad jetzt gegen "Elemente" vorgehe, die sich über das Gesetz erhaben fühlten. Die USA unterstützten dies, "es ist aber wichtig zu wissen, dass die Iraker die Führung haben", sagte Bush.

Saddam finanzierte Irak-Reise von US-Demokraten
Unterdessen wurde bekannt, dass der Geheimdienst Saddam Husseins hat kurz vor dem US-Einmarsch im Irak eine Reise von drei demokratischen Abgeordneten des Repräsentantenhauses finanzierte. Es werde gegen keinen Parlamentarier ermittelt, teilte das Justizministerium mit. Offiziell wurde die Reise kurz vor Beginn des Irak-Kriegs im Oktober 2002 von einer Hilfsorganisation finanziert. Die Abgeordneten hätten nichts von der Finanzierung durch den Geheimdienst gewusst. Die Namen der Abgeordneten wurden nicht bekanntgegeben, die Reisezeit passt jedoch exakt zur Visite von drei demokratischen Abgeordneten: Jim McDermott, David Bonior und Mike Thompson.

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