Militärparade für Putin-Nachfolger

Russland

 

Militärparade für Putin-Nachfolger

Russland hat den Sieg im Zweiten Weltkrieg über Hitler-Deutschland erstmals wieder wie zu sowjetischen Zeiten mit einer großen Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau gefeiert. Kampfflugzeuge donnerten am Freitag über das Zentrum der Hauptstadt und am Boden nahm der vor zwei Tagen vereidigte Präsident Dmitri Medwedew den Aufmarsch tausender Soldaten und modernster Waffensysteme ab. Die Demonstration militärischer Stärke war von seinem Vorgänger Wladimir Putin in einer seiner letzten Amtshandlungen als Staatschef angeordnet worden.

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(c) AP

Veteranen mit Handschlag geehrt
Medwedew begrüßte die Veteranen des Zweiten Weltkriegs mit Handschlag. Die Feier des großen Sieges werde immer die wichtigste und heiligste nationale Feier bleiben und sei ein Symbol für die Einheit Russlands, sagte der 42-Jährige. "Die Geschichte der Weltkriege lehrt uns, dass militärische Konflikte nicht von selbst entstehen - sie werden von denjenigen geschürt, die ihren unverantwortlichen Ehrgeiz über die Interessen ganzer Länder und Kontinente stellen, über die Interessen von Millionen Menschen", sagte Medwedew in seiner Ansprache. "Wir müssen alles dafür tun, dass sich solche Tragödien nicht wiederholen."

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Medwedew betonte, "der wahre Zweck von Waffen und Militärausrüstung ist eine verlässliche Verteidigung der Heimat", zu der Russland in der Lage sei. Medwedew warnte zudem, es dürfe keine Missachtung des internationalen Völkerrechts erlaubt werden. Moskau hat mehrfach den US-geführten Krieg im Irak wie auch die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovos durch westliche Staaten als Verletzung internationaler Grundsätze kritisiert. Kontroverse Äußerungen wie die seines Vorgängers Putin vor einem Jahr, der Parallelen zwischen den USA und dem Dritten Reich nahelegte, vermied Medwedew.

Putin in der ersten Reihe
Putin befand sich als neu gewählter Ministerpräsident in der ersten Reihe, hielt aber keine Rede. In den Live-Fernsehbildern wurde er aber prominent gezeigt. Putin hatte die Armee während seiner achtjährigen Präsidentschaft reformiert und aufgerüstet. In den letzten Jahren unter Putin wurden die Militärausgaben Russlands vervierfacht. Die Parade zum Gedenken an die Kapitulation Nazi-Deutschlands 1945 sollte die neue Stärke des Riesenreiches nach innen und außen demonstrieren. Nach den chaotischen Jahren nach dem Zusammenbruch der UdSSR hatte Putin die Erinnerung an den "Großen Vaterländischen Krieg", wie der Zweite Weltkrieg in Russland bezeichnet wird, dafür genutzt, die Einheit des Landes zu stärken und das russische Selbstbewusstsein zu heben.

Marschmusik, Waffengerät, Atomsprengköpfe
Erstmals seit 1990 - dem Jahr vor dem Ende der Sowjetunion -, präsentierte die Armee, von Marschmusik begleitet, auf dem Roten Platz schweres Waffengerät, darunter die Interkontinentalraketen "Topol" und "Iskander M", die mit Atomsprengköpfen bestückt und von fahrbaren Startrampen aus abgeschossen werden können. Die Luftwaffe führte Überschallbomber, MiG-Kampfjets und Kampfhubschrauber vor. Mehr als 100 Panzer fuhren auf; mehr als 8.000 Soldaten marschierten auf dem Platz vor dem Kreml auf. Lautstark sangen die Soldaten die russische Nationalhymne. Der Text ist verändert, Putin hat jedoch dafür gesorgt, dass Russland zur Melodie der sowjetischen Hymne zurückkehrt. Nach Einschätzung russischer Militärexperten wurden allerdings zum allergrößten Teil technisch veraltete Waffen aus den 70er und 80er Jahren gezeigt.

Sieg über Hitler-Deutschland
Der 9. Mai ist bis heute einer der wichtigsten Feiertage in Russland. An ihm wird des Sieges über Deutschland im Zweiten Weltkrieg und der enormen Opfer gedacht, die sowohl Streitkräfte als auch Zivilbevölkerung brachten. Rund neun Millionen sowjetische Soldaten wurden in den Kämpfen gegen die Deutschen getötet. Auch in Wolgograd, dem einstigen Stalingrad, sowie vielen anderen Städten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion wurden Siegesparaden abgehalten. In Wladiwostok am Pazifischen Ozean nahm ein US-Kriegsschiff an den Feiern teil.

Regierungsnahe Medien werteten die Waffenschau im Vorfeld als Reaktion auf die jüngsten Konflikte zwischen Russland und dem Westen. "Das ist ein Signal an unsere Partner in der NATO, die mit ihren Militärstützpunkten immer näher an Russlands Grenzen heranrücken", schrieb die Tageszeitung "Iswestija". Militärs sprachen auch von einer Drohgebärde gegenüber dem südlichen Nachbarn Georgien.

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