Mordopfer greift Guatemalas Präsident an

Posthumes Video

© AP, EPA

Mordopfer greift Guatemalas Präsident an

In Guatemala hat das mysteriöse Video eines ermordeten Anwalts Präsident Alvaro Colom in massive Bedrängnis gebracht. Das Staatsoberhaupt verwehrte sich am Dienstag gegen den Vorwurf, er persönlich habe die Ermordung des Juristen Rodrigo Rosenberg angeordnet. "Dieses Video ist eine Fälschung, mein Gewissen ist rein", erklärte Colom. Seine Regierung stecke nicht mit dem organisierten Verbrechen unter einer Decke. In Guatemala-Stadt zogen dennoch hunderte Menschen auf die Straße und forderten den Rücktritt des Präsidenten.

Berühmten Geschäftsmann vertreten
Der Anwalt Rosenberg war am Wochenende in einem Vorort der Hauptstadt erschossen worden. Er vertrat einen berühmten Geschäftsmann, der über Beweise für eine Zusammenarbeit der Regierung Colom mit der Drogenmafia verfügt haben soll. Der Mandant wurde bereits im vergangenen Monat ermordet.

Präsident an Mord beteiligt
Nach dem Tod von Rosenberg tauchte nun ein Video auf, in dem der Anwalt die Befürchtung äußert, dass er bald erschossen werde könnte und der Präsident wahrscheinlich dahinter stecke. "Wenn Sie diese Nachricht sehen, dann nur deshalb, weil ich von Alvaro Colom ermordet worden bin", sagt Rosenberg in dem 20-minütigem Video. Zudem berichtet er über einen Geldwäschering, in dem neben Colom auch dessen Ehefrau und persönliche Sekretärin verwickelt sein sollen.

Seit seiner Amtsübernahme im Jänner 2008 hat Colom kaum Erfolge im Kampf gegen die Drogenkartelle und Straßenbanden in Guatemala erzielt. Vielerorts arbeiten Polizisten, Richter und Politiker mit dem organisierten Verbrechen zusammen. Da die Korruption fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens durchdrungen hat, sprechen Beobachter im Fall Guatemalas immer öfter von einem "gescheiterten Staat".

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