NATO tagt in Ceausescus Mega-Palast

Bukarest

 

NATO tagt in Ceausescus Mega-Palast

Wenn die Spitzenpolitiker der NATO am Mittwoch in Bukarest zu ihrem Gipfel zusammenkommen, werden sie auch einen Blick in die monströsen Träume von Rumäniens Ex-Diktator Nicolae Ceausescu werfen können: Ihr Tagungsort ist der riesige Parlamentspalast in der Innenstadt, den Ceausescu in den 80er Jahren als Zeichen seiner Macht errichten ließ. Während Reiseführer den Komplex als zweitgrößtes Gebäude der Welt nach dem Pentagon bei Washington rühmen, beklagen Architekten die Zerstörung des historischen Stadtkerns: Kirchen, Synagogen und einzigartige Villen aus der Zeit der Jahrhundertwende mussten dem Gebäude weichen.

"Monument der Narben"
Der Parlamentspalast ist in mancher Hinsicht ein Stein gewordenes Monument der Narben, die Ceausescu dem Land zufügte. Schon während des Baus stand der großtuerische Pomp des Gebäudes in scharfem Kontrast zu den harten Bedingungen, unter denen die meisten Rumänen ihr Leben fristeten: Mit Lebensmittel-Rationen, die nur knapp den Hungertod verhinderten und Heizungen, die nur ein paar Stunden am Tag funktionierten - wenn überhaupt. Noch heute, fast 20 Jahre nach der Hinrichtung Ceausescus in der blutigen Revolution 1989, kämpfen die Behörden mit den Hinterlassenschaften seines Regimes. Sie versuchen, ihre heruntergekommene Stadt zu modernisieren, den chaotischen Verkehr in den Griff zu bekommen und die Armut vieler Bewohner zu lindern.

"Der Palast ist eine sehr gute Illustration für die Art, wie ein totalitärer Herrscher die Beziehung zu seinem Volk sieht", sagt die Architektin Mariana Celac, die unter Ceausescu zu den Dissidenten gehörte. "Der Palast hat Mauern, verschlossene Tore, er setzt Grenzen und zwingt zur Überwindung riesiger Distanzen - zu Fuß und am besten in Demut". Ceausescu selbst nannte das Gebäude "Haus des Volkes". Er wird mit den Worten zitiert, der Palast werde die Akropolis Rumäniens. "Ich brauche etwas Großes, etwas sehr Großes, das zeigt, was wir bereits erreicht haben", soll der Diktator gesagt haben.

Geheimtunnel
Tausende Tonnen Kristall, Marmor und Holz wurden aus ganz Rumänien nach Bukarest gekarrt, um den Komplex zu errichten. Das Material schmückt langgestreckte Korridore und pompöse Hallen ebenso wie Geheimtunnel und einen Atombunker. Diese Sicherheitsvorkehrungen zollten Ceausescus Furcht vor Angriffen Tribut. Sie könnten sich aber auch während des NATO-Gipfels noch als nützlich erweisen, falls es eine Bedrohung für die Spitzenpolitiker geben sollte, sagt die Chef-Architektin des Palastes, Anca Petrescu. "Das Gebäude ist so angelegt, dass es einen hohen Schutz bietet".

Um die 40.000 Anrainer wurden vertrieben, um den Palast mitten in der Innenstadt bauen zu können. Viele von ihnen wurden in den eintönigen Wohnblöcken untergebracht, die heute große Teile von Bukarest ausmachen und langsam abbröckeln. Sechs Menschen starben nach Petrescus Worten auf der Baustelle für den Palast. Heute finden sich in dem von der Architektur in Nordkorea inspirierten Gebäude mit seinen 3.000 Zimmern beide Kammern des rumänischen Parlaments, ein Kunstmuseum und ein gigantisches Konferenzzentrum.

Mega-Touristenattraktion
Früher war Bukarest eine elegante Hauptstadt mit von Bäumen gesäumten Boulevards und diskreten Villen. Noch zu Beginn des Zweiten Weltkriegs galt es in der Stadtplanung als eines der fortschrittlichsten Zentren Europas und als "Paris des Ostens". Doch nach den Zerstörungen Ceausescus, zwei Erdbeben und den Bausünden nach dem Fall des Diktators muss die Stadt darum kämpfen, ihren Stil wiederzufinden. Der Palast bleibt in dieser Situation als größte Touristenattraktion übrig. Obwohl viele ihn einfach nur für eine Monstrosität halten, wird er schon dank seiner schieren Größe nicht allzu schnell verschwinden - und entgegen allen Unkenrufen hat er tatsächlich seinen Nutzen. So scherzte der rumänische Präsident Traian Basescu auf die Frage, was an dem Gebäude diplomatisch ist: "Meiner Einschätzung nach ist das Gebäude nur aus einem einzigen Grund von Bedeutung: Es ist das zweitgrößte Gebäude der Welt nach dem Pentagon. Punkt."

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