Obama gewinnt Iowa

Triumph

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Obama gewinnt Iowa

"Der Vater Kenianer, die Mutter aus Kansas: Eine solche Geschichte ist nur in Amerika möglich", so bedankte sich der neue Favorit für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten Barrack Hussein Obama am Donnerstag in seiner Siegesrede. Überhaupt überschlagen sich die Politik-Experten mit Lob für die Siegesrede Obamas. "Die beste Rede dich ich je gehört habe", sagte beispielsweise Ex-Präsidentenberater David Gergen. Er vergleicht Obama bereits mit Martin Luther King. Das Motiv der Rede ist dasselbe wie bei jener Rede, die Obama berühmt gemacht hat - "die Politik der Hoffnung", wie damals beim Bostoner Wahlparteitag 2004.

Bush sieht in Ergebnis kein Urteil über sich selbst
Der Sieg zweier für einen politischen Wechsel stehenden Kandidaten bei den ersten, parteiinternen Vorwahlen zur Präsidentenwahl im US-Bundesstaat Iowa ist nach Ansicht des Weißen Hauses kein Zeichen für Unzufriedenheit mit Präsident George W. Bush. Stattdessen seien die Vorwahlen ein "guter Test" für jeden, der eines Tages den höchsten Posten des Landes übernehme, sagte Regierungssprecher Tony Fratto am Freitag.

Bush, dessen Popularität vor allem wegen der Lage im Irak im Keller ist, sei "über seine übliche Schlafenszeit hinaus" aufgeblieben, um die Ergebnisse der Vorwahlen zu erfahren, sagte Fratto. Der Präsident habe jedoch davor gewarnt, dem Beginn der Abstimmungen zu viel Bedeutung zuzuschreiben. Am Ende zähle, welcher Anwärter sich auf Dauer durchsetze.

Huckabee und Obama gewinnen Vorwahl in Iowa
Mit deutlicherem Vorsprung als zunächst angenommen, haben Mike Huckabee bei den Republikanern und Barack Obama bei den Demokraten in der Nacht auf Freitag (Ortszeit = MEZ -7 Std.) die ersten Vorwahlen um das Amt des US-Präsidenten für sich entscheiden können.

Bei dem Causus, einer Urabstimmung von Parteianhängern, gewann der ehemalige Baptistenprediger Huckabee laut Hochrechnungen des TV-Senders CNN mit 34 Prozent vor seinem parteiinternen Herausforderer Mick Romney (25 Prozent). Ebenso deutlich schlug der farbige Senator Obama (38 Prozent) seinen demokratischen Kontrahenten John Edwards (30 Prozent). Die bisher stark favorisierte ehemalige First Lady Hillary Rodham Clinton wurde bei den Demokraten mit 29 Prozent gar nur Dritte.

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Schicksalswahl
Dass die kommenden US-Wahlen im November offenbar von Vielen als Schicksalswahl angesehen werden, zeigte sich am Interesse der Parteianhänger an diesem Causcus: Die Fernsehsender CNN, Fox News und NBC berichteten übereinstimmend von einer deutlich höheren Beteiligung als vor vier Jahren.

Während bei den Demokraten Obama, Edwards und Clinton abräumten und anderen Kandidaten absolut keine Chance ließen, schlugen sich bei den Republikanern doch mehrere Kandidaten recht gut: Hinter Huckabee und Romney konnte sich Fred Thompson mit 13 Prozent gut behaupten, ebenso wie John McCain, dem ebenfalls 13 Prozent prognostiziert wurden.

Demokraten

Prozent

obama_100
Barack Obama

37,6 %

edwards_100
John Edwards

29,7 %

clinton_100
Hillary Clinton

29,5 %

Republikaner

Prozent

huckabee_100
Mike Huckabee

34,3 %

romney
Mitt Romney

25,3 %

thompson_100
Fred Thompson

13,4%

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"Nation vereinen"
"Unsere Zeit für einen Wechsel ist gekommen!", proklamierte Obama in einer ersten Rede nach dem Caucus. "Die Zeit ist gekommen für einen Präsidenten, der ehrlich ist. Ich werde der Präsident für Amerika sein", gab er sich siegesgewiss und forderte zum wiederholten Male einen US-Truppenauszug aus dem Irak. "Die Anschläge vom 11. September dürfen nicht dazu da sein, Angst zu schüren, sondern sollen als Herausforderung gesehen werden, unsere Nation wieder zu vereinen. Wir sind in der Tat die Vereinigten Staaten von Amerika!"

"Ein großer Tag für die Demokraten", sagte Hillary Clinton in einer kurzen Ansprache. Die hohe Beteiligung an den Parteiversammlungen belege die Mobilisierung der demokratischen Basis und den Wunsch nach einem Wechsel. Es gehe "nicht nur um die Wahl eines neuen Präsidenten, sondern einen Wandel im Land". Sie werde weiter um die Nominierung kämpfen, betonte die frühere First Lady, gratulierte aber gleichzeitig ihrem parteiinternen Mitbewerber Obama zum überraschend deutlichen Sieg.

Obama überzeugt bei jungen Wählern
Obama überzeugte ersten Erkenntnissen der Wahlforscher zufolge vor allem bei jungen Wählern, aber er schaffte es auch, mehr Frauen als Clinton von seiner Botschaft des Wandels zu überzeugen. Der farbige Politiker gewann zudem in einem Bundesstaat, in dem weniger als drei Prozent der Bevölkerung Schwarze sind.

Für seine beiden innerparteilichen Konkurrenten Chris Dodd und Joseph Biden ist das Rennen hingegen gelaufen. Sie schnitten in Iowa so enttäuschend ab, dass sie noch am Abend das Handtuch warfen. Der Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, erklärte, er wolle erst einmal den "Kampf bis nach New Hampshire" weiterführen.

Nächste Primary in New Hampshire
Während der landesweit als nach wie vor stark eingeschätzte Republikaner Rudy Giuliani (4 Prozent) der Vorwahl in Iowa keine große Bedeutung zumaß und sagte, sich lieber auf die nächste Primary in New Hampshire zu konzentrieren, dankte Hobby-Musiker Huckabee in seiner Wahlkampfzentrale in Des Moines allen Wählern für ihr Vertrauen, "aber auch jenen, die mich nicht wählten, mir aber Respekt entgegenbrachten. Wir dürfen nicht jene hassen, denen wir gegenüberstehen, sondern müssen jene lieben, die hinter uns stehen."

An insgesamt 1.784 Orten in Iowa wurde eine Wählerversammlung abgehalten. In einem Caucus - im Gegensatz zu den offenen Primaries - bestimmen die Anhänger beider Parteien ihre Präferenzen für die Präsidentschaftskandidatur. Bei den Demokraten stimmten 130.000, bei den Republikanern 80.000 Teilnehmer ab. Damit begann der offizielle Vorlauf zur Neuwahl des US-Präsidenten am 4. November, bei der der amtierende US-Präsident George W. Bush nicht mehr kandidieren kann.

Vorwahlmarathon
Der Vorwahlmarathon geht nun in New Hampshire weiter und zieht sich bis Anfang Juni mit den letzten Abstimmungen in den Staaten New Mexiko und South Dakota hin. Eine Vorentscheidung über die Präsidentschaftskandidaten könnte aber schon am 5. Februar fallen. An jenem "Super Tuesday" (Superdienstag) entscheiden die Wähler in rund der Hälfte der 50 US-Staaten über ihren Favoriten für die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei. Dazu zählen auch New York und Kalifornien. Die endgültige Entscheidung fällt dann auf Nominierungsparteitagen, deren Delegierte in den Vorwahlen bestimmt werden: Vom 25. bis 28. August kommen die Demokraten in Denver zusammen, die Republikaner folgen vom 1. bis 4. September in Minneapolis. Doch nicht nur die Kandidaten der beiden großen Parteien bewerben sich ums Präsidentenamt, sondern auch Vertreter kleinerer Gruppierungen, die aber traditionell für den Wahlausgang kaum Bedeutung haben.

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