Obama gibt Al-Kaida die Schuld

Für Anschlagsversuch

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Obama gibt Al-Kaida die Schuld

Eine Woche nach dem verhinderten Anschlagsversuch von Detroit hat US-Präsident Barack Obama erstmals direkt das Terrornetzwerk Al-Kaida für die Tat verantwortlich gemacht. Die Al-Kaida-Organisation im Jemen habe den Attentäter ausgebildet und vorbereitet, sagte Obama am Samstag und kündigte eine Verfolgung der Drahtzieher an. Der britische Premierminister Gordon Brown schlug unterdessen ein internationales Treffen zum Jemen vor.

Zur Rechenschaft ziehen
Die USA würden den verantwortlichen regionalen Ableger des Terrornetzwerks, die Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel, für den gescheiterten Anschlag zur Rechenschaft ziehen, sagte Obama in seiner wöchentlichen Rundfunk- und Videoansprache. Die USA seien "im Krieg" mit dem "weit verzweigten Netzwerk der Gewalt und des Hasses". Bisher hatten US-Vertreter nicht von einer direkten Verantwortung der Al-Kaida für den Anschlagsversuch gesprochen, sondern lediglich von "Verbindungen". Das Terrornetzwerk selbst hatte sich bereits am vergangenen Montag zu dem Anschlagsversuch bekannt.

Zu neuesten Erkenntnissen über den Attentäter, einen 23-jährigen Nigerianer, sagte Obama: "Wir wissen, dass er in den Jemen reiste, ein von erdrückender Armut und tödlichem Aufruhr erfasstes Land." Der Mann sei von der Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel ausgebildet worden. Die Terrororganisation habe ihn mit Sprengstoff ausgestattet und ihm den Angriff auf das Flugzeug aufgetragen. Der 23-Jährige hatte am Christtag versucht, eine US-Passagiermaschine mit fast 300 Menschen an Bord im Landeanflug auf Detroit in die Luft zu sprengen.

Zusammenarbeit mit dem Jemen
Washington werde seine Zusammenarbeit mit dem Jemen verstärken, kündigte der Präsident an. Die Sicherheitskräfte sollten besser ausgestattet und ausgebildet und Geheimdienstinformationen geteilt werden. Die USA haben die Regierung in Sanaa im Rahmen des Anti-Terror-Programms im vergangenen Jahr mit 67 Millionen Dollar (46,5 Mio. Euro) unterstützt. Nur Pakistan erhielt mit 112 Millionen Dollar mehr Geld.

Zugleich machte Obama klar, dass es als Konsequenz Veränderungen im US-Sicherheitssystem geben müsse. "Lasst und die notwendigen Veränderungen bewerkstelligen. Lasst uns darüber diskutieren, wie wir das Land, das wir lieben, am besten schützen können." Der US-Präsident hatte bereits zuvor den Sicherheitsbehörden verheerende Fehler vorgeworfen und auch personelle Konsequenzen angedroht. Am Dienstag soll es dazu eine Krisenkonferenz mit den Chefs der Sicherheitsbehörden im Weißen Haus geben.

Obamas Ansprache wurde nach Beratungen des US-Präsidenten mit ranghohen Sicherheitsberatern veröffentlicht. Nach Angaben des Weißen Hauses telefonierte Obama von seinem Urlaubsort in Hawaii aus mit dem Chef des nationalen Sicherheitsrats, Denis McDonough, und seinem Anti-Terror-Berater John Brennan. Am Wochenende wollte Obama ausführlich die von ihm angeforderten Berichte über die Hintergründe des Anschlagsversuchs studieren.

Internationales Treffen
Der britische Premier Brown schlug für Ende Jänner in London ein internationales Treffen zum Jemen vor. Die Zusammenkunft solle parallel zur Afghanistan-Konferenz am 28. Jänner in der britischen Hauptstadt stattfinden, teilte die Regierung am Freitag mit. Bei dem Treffen soll es um die Bekämpfung von Extremisten im Jemen gehen.

Die jemenitische Regierung begrüßte die Ankündigung aus London. Dies sei ein "Schritt in die richtige Richtung", zitierte die Nachrichtenagentur Saba am Samstag einen Regierungssprecher. Das Treffen werde eine internationale Unterstützung für den Jemen und seine Bemühungen im Kampf gegen Armut und Arbeitslosigkeit mobilisieren. Beides in den Griff zu bekommen sei "das beste Mittel", um Extremismus zu bekämpfen und jüngere Menschen davor zu bewahren, sich in diese Richtung zu orientieren, sagte der Sprecher.

Zu dem Anschlagsversuch von Detroit hat sich der Al-Kaida-Ableger im Jemen im Internet bekannt. Am Samstag kündigte der Außenminister des arabischen Landes ein hartes Vorgehen gegen Terroristen an. "Der Jemen wird terroristische Elemente auf seinem Gebiet nicht dulden", sagte Abubakr al-Qirbi gegenüber der Nachrichtenagentur Saba News. Experten befürchten, dass der Jemen wie Afghanistan zu einer Hochburg für radikale Muslime werden könnte.

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