29. August 2008 12:49
Für die Befreiung des vor gut zwei Jahren in den Gaza-Streifen verschleppten
israelischen Soldaten Gilad Shalit erwägt Ministerpräsident Ehud Olmert laut
einem Pressebericht die Freilassung von 450 palästinensischen Gefangenen.
Bisher habe die Regierung der Freilassung von 80 der insgesamt 450 Häftlinge
zugestimmt, die die radikale Hamas im Austausch gegen Shalit gefordert habe,
berichtete die Zeitung "Haaretz" am Freitag. Olmerts Sprecher bestätigte den
Bericht nicht. "Solche Informationen zu geben, wäre nicht günstig, um die
Freilassung zu ermöglichen", sagte er.
Der staatliche Rundfunk hatte am Mittwoch berichtet, ein
interministerieller Ausschuss werde am Sonntag darüber beraten, ob für die
Befreiung Shalits die Anforderungen für die Freilassung palästinensischer
Häftlinge gelockert werden können. Um dem palästinensischen Präsidenten
Mahmoud Abbas den Rücken zu stärken, hatte Israel am Montag kurz vor der
Ankunft von US-Außenministerin Condoleezza Rice im Nahen Osten fast 200
palästinensische Häftlinge freigelassen, die mehrheitlich zur Fatah von
Abbas gehören. Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation
B'tselem werden derzeit in israelischen Gefängnissen 8.500 Palästinenser im
Zusammenhang mit Sicherheitsvergehen und weitere 1.500 wegen krimineller
Straftaten festgehalten.
Abbas soll von Israel auch die Freilassung des Fatah-Führers im
Westjordanland, Marwan Barghouthi, des zur Hamas gehörenden Vorsitzenden des
palästinensischen Parlaments, Aziz Dweik, und des Chefs der marxistischen
"Volksfront für die Befreiung Palästinas" (PFLP), Ahmed Saadat, verlangt
haben. Saadat wird für die Ermordung des israelischen Tourismusministers
Rehavam Zeevi im Jahr 2001 verantwortlich gemacht. Barghouthi war im April
2002 von der israelischen Armee verhaftet worden, obwohl er als Mitglied des
palästinensischen Parlaments Immunität beanspruchen konnte. Bei den
palästinensischen Parlamentswahlen im Jänner 2006 war Barghouthi in Ramallah
symbolisch auf den ersten Platz der Fatah-Liste gesetzt worden.
Nach dem blutigen innerpalästinensischen Machtkampf im Sommer 2007
erlangte die Hamas die alleinige Kontrolle über den Gaza-Streifen, Abbas
löste daraufhin die von Hamas-Premier Ismail Haniyeh geleitete
Einheitsregierung auf und setzte ein Notstandskabinett unter Salam Fayyad im
Westjordanland ein.
Korruputionsermittlungen gehen weiter
Olmert ist am Freitag zum
siebenten Mal zu Korruptionsvorwürfen vernommen worden. Die Befragung durch
die Polizei in seinem Amtssitz in Jerusalem sollte mehr als zweieinhalb
Stunden dauern. Der 62-Jährige hatte den Ermittlern der
Antikorruptionsbehörde zum letzten Mal vor einer Woche Rede und Antwort
stehen müssen. Die Polizei teilte keine weiteren Einzelheiten mit.
Israelische Medien berichteten, es gehe um die Hintergründe von politisch
motivierten Beförderungen, die Olmert während seiner Zeit als Industrie- und
Handelsminister in der Investmentbehörde verfügt haben soll.
Olmert wird verdächtigt, innerhalb von 15 Jahren rund 150.000 Dollar von dem
US-Unternehmer und Spendensammler Morris Moshe Talansky angenommen zu haben.
Der Regierungschef soll zudem während seiner Zeit als Bürgermeister von
Jerusalem und als Minister Anträge auf Auslandsreisen mehrfach gestellt und
danach die Spesen mehrfach abgerechnet haben. Angesichts der schweren
Vorwürfe will Olmert Mitte September sein Amt als Vorsitzender der
Kadima-Partei niederlegen und damit auch den Weg für einen Nachfolger als
Premier freimachen. Olmert hat immer wieder seine Unschuld beteuert.