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Papst empfängt Saudi-Arabischen König

Historisches Treffen

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Papst empfängt Saudi-Arabischen König

Papst Benedikt XVI. hat am Dienstag König Abdullah von Saudi-Arabien im Vatikan empfangen. Italienische Zeitungen bezeichneten die Audienz bereits im Vorfeld als "historisch". Es handelt sich um die erste Begegnung eines saudischen Monarchen mit einem Oberhaupt der katholischen Kirche. Die Audienz könne ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem tieferen "gegenseitigen Verständnis zwischen Christen und Muslimen sein", zitierte die römische Zeitung "La Repubblica" Kommentatoren aus dem Vatikan.

Religiöse Intoleranz
Die religiöse Intoleranz in dem islamischen Königreich verhinderte bisher die Herstellung diplomatischer Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl. In Saudi-Arabien ist der Islam in seiner wahhabitisch-puritanischen Auslegung Staatsreligion. Die wahhabitische Theologie geht davon aus, dass auf dem Boden des Königreichs - wegen der Präsenz der "heiligen Stätten Mekka und Medina" - keine andere Religion als der Islam ausgeübt werden darf. Über die Einhaltung der Gesetze wacht die Religionspolizei, deren Spitzel im ganzen Land präsent sind. Den zehntausenden christlichen Gastarbeitern ist - auch innerhalb ihrer Wohnungen - jedwede religiöse Betätigung strengstens untersagt. Die Grenz- und Zollbehörden sind angewiesen, die Einfuhr von Bibeln, christlichen Gebetbüchern, Ikonen, Kreuzen, Rosenkränzen, Andachtsgegenständen aller Art zu unterbinden.

Eine Begegnung zwischen dem Papst und dem Großscheich der Kairoer Al-Azhar-Universität, Mohammed Sayed al-Tantawi, der höchsten theologischen Autorität im sunnitischen Islam, kam bisher nicht zustande. Aus Kairo war verlautet, dass es unter Hinweis auf die "Regensburger Vorlesung" des Papstes von 2006 nach wie vor innermuslimische Kritik an einer solchen Begegnung gebe. Der Vatikan hatte den Großscheich von Al-Azhar eingeladen, an einer führenden katholischen Universität zu sprechen, um auf die umstrittene Regensburger Rede des Papstes zu antworten. Tantawi soll nach Medienberichten geantwortet haben, dass der Papst seine Äußerungen zuerst zurückziehen müsse, bevor er einer solchen Einladung Folge leisten könne.

Der Großscheich von Al-Azhar hatte dem Kirchenoberhaupt unter anderem "Unkenntnis des Islam" vorgeworfen und Benedikt XVI. beschuldigt, dem "Dialog der Religionen und Zivilisationen keinen guten Dienst erwiesen" zu haben. In der Vorlesung während seines Bayern-Besuches hatte der Papst den byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaiologos (1350-1425) mit den Worten zitiert, der Prophet Mohammed habe "nur Schlechtes und Inhumanes" gebracht, "wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten". Das Zitat hatte zu heftigen Protesten in islamischen Ländern und zu Mordaufrufen gegen den Papst geführt, der immer wieder betont hat, dass der Inhalt des Zitats nicht seine eigene Meinung ausdrücke.

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