Polizei schließt sich Demonstranten an

Tunesien

Polizei schließt sich Demonstranten an

Die einst gefürchtete tunesische Polizei hat sich am Samstag offenbar mit den Demonstranten solidarisiert und in der Hauptstadt Tunis eine eigene Kundgebung abgehalten. Mindestens 2.000 Polizeibeamte versammelten sich unweit der Zentrale des Innenministeriums, das bei vielen Tunesiern einst als Symbol der Schreckensherrschaft des geflüchteten Langzeit-Machthabers Zine el-Abidine Ben Ali galt. Sie forderten die Schaffung einer Gewerkschaft, bessere Bezahlung sowie den Rücktritt aller in Ben Alis Partei RCD verbliebenen Regierungsmitglieder. Dazu stiegen viele auf ihre Polizeifahrzeuge und schwenkten Transparente und Fahnen. Einige Beamte in Zivil trugen rote Armbinden, um sich von anderen Demonstranten zu unterscheiden. Viele Polizisten waren in Begleitung ihrer Familien zu der Kundgebung gekommen.

"Keine Angst, auf die Straße zu gehen"
"Ich habe keine Angst davor, auf die Straße zu gehen", erklärt Rida Barreh, der seit fünf Jahren als Sicherheitsbeamter arbeitet. Er arbeite zwölf Stunden am Tag und bekomme monatlich nur 500 Dinar (250 Euro) ausbezahlt, sagte der 30-Jährige. Außerdem wolle er die Tunesier davon überzeugen, dass "die Polizei für die Menschen da ist und ihnen dienen will." Bisher habe die Regierung immer alles getan, damit Leute die Polizei fürchteten. "Das muss nun eine Ende haben", sagte er.

Polizei gefürchtet
Während die tunesische Armee das Vertrauen der Bevölkerung genießt, wurde die Polizei während der 23-jährigen Ben-Ali-Herrschaft gefürchtet. Nach Schätzungen des UNO-Menschenrechtskommissariats kamen bei den Unruhen in Tunesien mehr als 100 Menschen ums Leben.

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