08. Oktober 2009 09:56
Mit einer Reihe von Todesurteilen hat die iranische Justiz auf die Proteste
gegen das Ergebnis der Präsidentenwahl im Juni reagiert. Wie die
Nachrichtenagentur Isna am Samstag unter Berufung auf das Justizministerium
meldete, verhängte das Revolutionsgericht in Teheran die Höchststrafen gegen
drei Demonstranten wegen ihrer Rolle bei den Protesten und der
Mitgliedschaft in "verbotenen Organisationen".
Der Sprecher des Justizministeriums, Sahed Bashiri Rad, sagte, zwei der
Angeklagten seien für ihre Verbindungen zu einer monarchistischen
Organisation verurteilt worden. Der dritte habe Kontakte zu den
oppositionellen Volksmudjahedin gehabt. Rad nannte die Verurteilten nur mit
Initialen. Ob es sich bei "M.S." um den Regierungskritiker
Mohammed Reza Ali Zamani handelt, blieb unklar.
Urteile noch nicht endgültig
Am Donnerstag hatte eine
reformorientierte Website vom Todesurteil gegen Zamani berichtet, der ersten
Höchststrafe gegen einen Demonstranten. Zamani musste sich unter anderem
wegen antiislamischer und staatsfeindlicher Aktivitäten sowie wegen
Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vor Gericht verantworten, wie die
iranische Nachrichtenagentur Mehr im August meldete. Amnesty International
kritisierte das Urteil am Freitag als "Verhöhnung der Justiz"
und forderte den Iran auf, die Todesstrafe aufzuheben.
Rad sagte, die Urteile seien noch nicht endgültig. Die Beschuldigten hätten
die Möglichkeit, vor dem Obersten Gerichtshof Berufung einzulegen. Nach
iranischem Recht muss ein Todesurteil vom Berufungsgericht und vom Obersten
Gerichtshof bestätigt werden.
21-Jähriger gehenkt
Die
drei Todesurteile seien nicht die einzigen vom Revolutionsgericht
verhängten Strafen im Zusammenhang mit den Protesten, fügte Rad hinzu. 18
Beschuldigte hätten Berufung gegen ihr Urteil eingelegt, sagte Rad, ohne
nähere Angaben zur Art der Strafe und den Verurteilten zu machen. Nach
Ahmadinejads umstrittener Wiederwahl Mitte Juni hatte es im Iran die
schwersten Unruhen seit dem Sturz des Schahs vor drei Jahrzehnten gegeben.
Bei der Niederschlagung der Proteste waren nach amtlichen Angaben 30, nach
Angaben von Regierungskritikern 72 Menschen getötet worden. Etwa 140
Teilnehmer der Protestbewegung wurden angeklagt.
Am Sonntag wurde ein 21-Jähriger wegen eines vor vier Jahren begangenen
Mordes gehenkt. Nach Angaben der Nachrichtenagenturen Irna und Isna tötete
der Jugendliche sein Opfer damals im Zuge einer Schlägerei. Die EU hatte
sich "sehr besorgt" über das Urteil geäußert, da der Beschuldigte
zur Tatzeit noch nicht volljährig war.