Rund 60.000 Deutsche bei Ostermärschen

Protestkultur

© REUTERS/Fabrizio Bensch

Rund 60.000 Deutsche bei Ostermärschen

Bei den diesjährigen Ostermärschen haben nach Veranstalterangaben in ganz Deutschland rund 60.000 Menschen für Frieden und Abrüstung demonstriert. Die Zahl der Teilnehmer sei damit trotz des insgesamt schlechten Wetters im Vergleich zum Vorjahr um etwa 10.000 gestiegen, sagte ein Sprecher der Infostelle Ostermarsch am Montag in Frankfurt am Main. Das rege Interesse sei besonders auf die Diskussion um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan zurückzuführen. Weitere Themen der rund 70 Veranstaltungen waren der Irak-Krieg, aber auch die Lage in Tibet. Mit 5000 Teilnehmern gehörte die Demonstration gegen das geplante "Bombodrom" am Sonntag im ostdeutschen Fretzdorf zu den größten Veranstaltungen.

Die größten Städte Deutschlands
Der Infostelle Ostermarsch zufolge demonstrierten allein am Montag in Frankfurt am Main und Berlin jeweils rund 2000 Menschen, in München 1500 und in Hamburg und Nürnberg jeweils 1000. Der traditionelle Ostermarsch Ruhr hatte am Samstag in Duisburg begonnen und führte bis Montag nach Dortmund. An einer Fahrradstafette von Essen nach Bochum nahmen rund hundert Menschen teil.

50-jährige Tradition
Die Veranstalter zogen eine durchweg positive Bilanz. Nach 50 Jahren zeigten sich die Proteste gegen Kriegseinsätze und militärisches Denken als "äußerst lebendige und notwendige - Tradition", erklärte das Netzwerk Friedenskooperative in Bonn. Die steigende Teilnehmerzahl zeige, dass Deutschland über eine der stabilsten Friedensbewegungen in ganz Europa verfüge, sagte ein Sprecher des bayerischen Ostermarschbüros.

"Märchen von der Bundeswehr in Afghanistan"
Die Ostermarschierer appellierten an den Bundestag, mehr Geld für den friedlichen Aufbau in Afghanistan als für den Krieg auszugeben. Menschenrechte ließen sich nur mit friedlichen Mitteln durchsetzen, wie das massenhafte Sterben im sogenannten Anti-Terror-Krieg zeige, hieß es in einer Erklärung. "Das Märchen einer konstruktiven Aufbaurolle der Bundeswehr im Norden Afghanistans wird durch ständige Wiederholung nicht wahrer", erklärte der Geschäftsführer des Netzwerkes Friedenskooperative, Manfred Stenner. Bei mehreren Mahnwachen forderten Friedensgruppen China zur Einhaltung der Menschenrechte in Tibet auf.

Gegen Nutzung eines EX-Sowjet-Schießplatzes
Bei der Demonstration in Fretzdorf traten unter anderem Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) und der brandenburgische Landwirtschaftsminister Dietmar Woidke (SPD) als Redner auf. In dem Bundesland Brandenburg protestieren Bürgerinitiativen und Gemeinden bereits seit mehr als 15 Jahren für eine friedliche Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide. Sie wehren sich gegen die geplante Wiederinbetriebnahme des einst von sowjetischen Truppen genutzten Schießplatzes, dem sogenannten Bombodrom. Dessen militärische Nutzung war Ende Juli 2007 vom Verwaltungsgericht Potsdam untersagt worden. Die Bundeswehr hat dagegen jedoch Berufung eingelegt.

Militarisierung der Deutschen Politik
Die Vizepräsidentin des deutschen Bundestags, Petra Pau (Linke), sagte am Montag auf einer Kundgebung im sachsen-anhaltinischen Haldensleben: "Wir sind hier, weil wir nicht hinnehmen, dass die Außen- und Innenpolitik der Bundesrepublik Deutschland zunehmend militarisiert wird."

Philosophie-Legende Russell als Initiator
Ihre Geburtsstunde hatte sie in Großbritannien. Der Philosoph Bertrand Russell versammelte am Karfreitag 1958 rund zehntausend Menschen in London, um für nukleare Abrüstung zu demonstrieren. Starken Aufwind bekam die Friedensbewegung in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre wegen des Vietnam-Kriegs und 1982 mit der Debatte um die NATO-Nachrüstung und die Stationierung von Mittelstreckenraketen. In Deutschland erlebte die Bewegung in den 1960er Jahren einen ersten Höhepunkt, 1968 wurden in ganz Deutschland 300.000 Teilnehmer gezählt. Auch zu Beginn des Irak-Krieges vor fünf Jahren versammelten sich mehrere 100.000 Menschen zu Protestmärschen im ganzen Land.

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