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Stundenlang verhört

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Sarkozy in Polizei-Arrest

Noch nie stand ein französischer Ex-Staatspräsident unter Arrest. Seit Dienstag ist alles anders: Nicolas Sarkozy wurde um acht Uhr im Pariser Vorort Nanterre von der zentralen Anti-Korruptionsbehörde festgenommen und verhört.

Richter bestochen, falsche Namen
Der brisante Vorwurf: Gemeinsam mit seinem Anwalt Thierry Herzog soll er monatelang versucht haben, illegal an Informationen aus laufenden Gerichtsverfahren gegen ihn heranzukommen. Mitgeschnittene Telefonate sollen das belegen. Sarkozy nutzte bei seinen Anwaltsgesprächen stets Handys, die unter Falschnamen registriert waren.

Millionen von Gadaffi und reichster Frau?
Konkret soll Sarkozy (war von 2007 bis 2012 im Amt) versucht haben, Untersuchungsrichter Gilbert Azibert auf seine Seite zu ziehen. Der Top-Jurist besetzt einen Schlüsselposten im französischen Höchstgericht. Hier laufen zahlreiche brisante Verfahren zusammen, die Sarkozy gefährlich werden könnten.

Seit 2013 wird gegen ihn ermittelt. Er soll seine Wahlkampagne 2007 mithilfe illegaler Spenden von L’Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt, dem Unternehmer Bernard Tapie und mit 50 Mio. Dollar vom libyschen Ex-Diktator Muammar Gaddafi finanziert haben.

Richter Azibert sollte Informationen an den Ex-Präsidenten weiterleiten. Ebenso sollte er dafür sorgen, dass ein Sarkozy-Terminkalender, der im Zuge der Gaddafi-Ermittlungen beschlagnahmt wurde, aus dem Akt entfernt wird. Im Gegenzug versprach Sarkozy dem Juristen einen lukrativen Posten am Gericht in Monaco.

„Stasi-Methoden“, U-Haft-Entscheidung
Sarkozy hält die Ermittlungen gegen ihn für einen Skandal. Das Abhören seines Handys nannte er „Stasi-Methoden“. Damit solle sein Comeback bei der Präsidentenwahl 2017 verhindert werden. Die Konservativen sprechen längst von einem „Komplott“. Bis zu drei Tage dürfen die Richter in Paris-Nanterre Sarkozy, seinen Anwalt und den ebenfalls festgenommenen Richter Gilbert Azibert festhalten. Dann muss darüber entschieden werden, ob über Ex-Präsident Sarkozy U-Haft verhängt wird.

Karl Wendl

Gegen Sarkozy laufen gleich mehrere Verfahren

Massive Geldsummen sollen in Sarkozys Präsidentschaftswahlkampf geflossen sein. Die wichtigsten Geldgeber:

  • L’Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt: Die reichste Frau Frankreichs soll Nicolas Sarkozy, dessen Arbeitsminister Éric Woerth und Sarkozys Partei UMP massiv unterstützt haben. Sarkozy wies die Vorwürfe stets zurück. Zum Prozess kam es nicht.
  • Libyens Muammar Gaddafi: Der Ex-Diktator soll 50 Millionen Dollar in Sarkozys Wahlkampf gesteckt haben. Richter ermitteln.
     
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