Sarkozy unter Beschuss nach Polizeichef-Entlassung Sarkozy unter Beschuss nach Polizeichef-Entlassung

"Reine Willkür"

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Sarkozy unter Beschuss nach Polizeichef-Entlassung

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat einen Sturm der Entrüstung losgetreten, weil er nach Demonstrationen auf dem Grundstück eines Freundes den zuständigen Polizeichef gefeuert hat. "Die Wünsche des Prinzen werden erfüllt", schimpfte Zentrumspolitiker Francois Bayrou am Dienstag. Auch Polizeigewerkschafter und die oppositionellen Sozialisten sehen in der Affäre einen neuen Beweis, dass Sarkozy seine Macht für persönliche Gefälligkeiten missbraucht.

Polizei-Chef wusste von der Demo
Am Samstagabend hatten Dutzende Nationalisten auf Korsika den Garten des Sarkozy-Freundes und Schauspielers Christian Clavier besetzt. Damit wollten sie gegen "die Ausbeutung der Korsen" auf ihrer Insel protestieren. Dominique Rossi, Koordinator der korsischen Sicherheitskräfte, wusste seit Freitag von geplanten Demonstrationen in der Gegend von Claviers Villa. Dennoch ließ er das Anwesen nahe des noblen Porto Vecchio nicht von Bereitschaftspolizisten schützen.

Sarkozy platzte der Kragen. Laut France Inter und Europe-1 rief er seinen Vertrauten Clavier sofort an und sagte: "Es kommt nicht in Frage, dass Du für unsere Freundschaft bezahlst." Der Élysée-Palast lehnte am Dienstag jede Stellungnahme ab. Polizeichef Rossi wurde am Montagabend vom Innenministerium am Telefon über seine sofortige Entlassung unterrichtet.

"Willkür"
Bayrou, Chef der Oppositionspartei Modem, prangerte am Dienstag eine "willkürliche und unverhältnismäßige Entscheidung" an. Sie zeige, dass bei Sarkozy die Kumpanei zwischen den Mächtigen die Staatsräson ersetze. Laut Emmanuel Roux, dem Chef der Gewerkschaft der Polizeikommissare (SCP), ist dem geschassten Rossi gar nichts vorzuwerfen. "Wir können nicht vor allen Villen Bereitschaftspolizisten postieren, das wäre eine Provokation." Er habe erst nicht glauben können, dass die Freundschaft zwischen Sarkozy und Schauspieler Clavier hinter der Entlassung stecke, sagte Sozialistenchef Francois Hollande.

Die Nähe zu den Schönen und Mächtigen und von persönlichen Erwägungen getroffene Entscheidungen haben Sarkozy schon mehrfach Kritik eingebracht. So urlaubte er als frisch gebackener Präsident auf der Jacht des Industriellen Vincent Bolloré, flog in Privatjets reicher Freunde in den Urlaub und ließ den beliebten Fernsehmoderator Patrick Poivre d'Arvor beim staatlichen Sender TF1 an die Luft setzen. Der Grund: Er hatte Sarkozy vor dessen ersten G-8-Gipfel mit einem kleinen aufgeregten Jungen verglichen, der endlich bei den Mächtigen mitmischen dürfe.

Foto: (c) AP

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