Sauerland-Gruppe wollte Fanal wie 9/11

Terror-Prozess in D

 

Sauerland-Gruppe wollte Fanal wie 9/11

Die Extremisten der "Sauerland-Gruppe" wollten nach Einschätzung der deutschen Bundesanwaltschaft mit ihrem Anschlagsplan ein Fanal ähnlich dem 11. September 2001 setzen. Ziel der vier deutschen und türkischen Angeklagten sei es gewesen, mit der Zündung mehrerer Autobomben eine öffentliche Wirkung vom Ausmaß des Angriffs auf das New Yorker World Trade Center zu verüben, sagte der deutsche Bundesanwalt Volker Brinkmann zum Prozessauftakt am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf.

Vollbärte
Alle vier Angeklagten erschienen mit Vollbärten vor Gericht. Adem Yilmaz provozierte die Richter offen, indem er sich zunächst weigerte, die Gebetskappe abzunehmen oder sich zur Vereidigung der Dolmetscher sowie beim Erscheinen des Gerichts nach Verhandlungspausen zu erheben. Er wurde vom Vorsitzenden Richter Ottmar Breidling abgemahnt, der sich schon in früheren Terrorismus-Prozessen einen Namen als harter Verhandlungsführer gemacht hat. Yilmaz droht nun eine Ordnungsstrafe, über die die Kammer am Donnerstag entscheiden will. Der auf zwei Jahre angesetzte Mammut-Prozess findet unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen und begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot statt. Besucher wurden peniblen Kontrollen unterzogen.

Die Angeklagten Fritz Gelowicz, Daniel Schneider, Yilmaz und Atilla Selek sollen im Herbst 2007 drei Autobomben-Anschläge in Deutschland geplant haben. Laut Anklage wollten sie zeitgleich in Kneipen, Diskotheken und auf dem US-Fliegerhorst Ramstein möglichst viele Amerikaner töten. Mit den Anschlägen wollten sie wohl die kurz darauf anstehende Entscheidung des Bundestags über die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes beeinflussen. Die Anklage rechnet die Verdächtigen der extremistischen Islamischen Dschihad-Union (IJU) zu. Bei einem Schuldspruch drohen ihnen bis zu 15 Jahre Haft wegen Mitgliedschaft in einer in- beziehungsweise ausländischen Terrorvereinigung sowie wegen der Vorbereitung von Anschlägen und der Verabredung zum Mord.

Hass auf die USA
Triebfeder der Angeklagten im Alter zwischen 23 und 30 Jahren sei ein abgrundtiefer Hass auf die USA als "größter Feind des Islams" gewesen, erklärte die Bundesanwaltschaft. Die geplante Tat habe aber auch der deutschen Gesellschaft gegolten. "Sie wollten ein deutliches und medienwirksames Zeichen des Terrors setzen." Die Angeklagten hätten drei Autobomben mit der gewaltigen Sprengmasse von jeweils 250 Kilogramm bauen wollen und mit 150 Todesopfern gerechnet. Die jungen Männer hätten sich schon in Deutschland radikalisiert und später Kontakt ins Ausland gesucht. "Die Angeklagten waren Teil eines islamistischen, länderübegreifenden Netzwerkes mit Kontakten nach Pakistan und Iran", sagte Brinkmann.

"Stehe nur für Allah auf"
Die Angeklagten nahmen die Verlesung der Anklageschrift gefasst auf. Sie strichen sich immer wieder über die Bärte und scherzten teils sogar mit Vollzugsbeamten. Yilmaz erhebe sich aus religiösen Gründen nicht vor dem Gericht, sagte seine Verteidigerin Ricarda Lang. "Ich stehe nur für Allah auf", rief er Richter Breidling zu. Die Anklage beantragte eine dreitägige Ordnungshaft. Zur Person und zu den Vorwürfen wollten sich die Angeklagten nicht äußern. Schneider will sich seinem Verteidiger zufolge aber später zu dem Anklagepunkt äußern, er habe einen Polizisten bei seiner vergeblichen Flucht erschießen wollen.

Nach einem Tipp eines US-Geheimdienstes hatten rund 600 deutsche Ermittler die Verdächtigen monatelang überwacht und beobachtet, wie sie sich rund 700 Kilogramm Wasserstoffperoxid beschafften. Diese Menge reicht zur Herstellung von etwa 550 Kilogramm Sprengstoff aus. Beim Aufkochen der Chemikalie, die auch für die Anschläge von Djerba, London und Casablanca verwendet wurde, nahm die Polizei die Männer Anfang September 2007 im Sauerland fest.

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