21. Juli 2009 07:25
Der Gouverneur Arnold Schwarzenegger und führende Abgeordnete beider
Parteien haben sich auf einen Plan zur Schließung der Haushaltslücke des
US-Staats von über 26 Milliarden Dollar (18,3 Mrd Euro) geeinigt. Der Plan
sieht drastische Sparmaßnahmen in Höhe von 15 Milliarden vor, eine weitere
Kreditaufnahme sowie die beschleunigte Eintreibung bestimmter Steuern.
Parlament muss noch zustimmen
Damit wäre der erste Schritt getan,
Kalifornien wieder aus dem finanziellen Chaos herauszuholen, nachdem der
Staat in Ermangelung eines Haushalts in diesem Monat mit der Ausstellung von
Schuldscheinen (IOU) begonnen hatte. Der Lackmustest steht allerdings noch
bevor: Beide Parlamentskammern müssen dem Haushaltsplan noch mit einer
Zweidrittelmehrheit zustimmen. Der Entwurf sollte Abgeordneten ab Dienstag
zugeleitet werden, die Abstimmungen sollten bereits am Donnerstag
stattfinden.
Wiederstand der Demokraten
Die jüngste Krise hat dem US-Staat,
der für sich genommen der achtgrößten Volkswirtschaft der Erde entspricht,
schweren Schaden zugefügt. Das Kreditrating des Staats wurde erneut gesenkt,
was eine Fremdfinanzierung weiter verteuert. Die Republikaner und ihr
Gouverneur hatten sich trotz drastisch gesunkener Einnahmen Steuererhöhungen
versperrt, die Demokraten hingegen versuchten, Schwarzeneggers drastische
Kürzungspläne zu verhindern.
Sie kämpften für den Erhalt von Sozialleistungen wie zum Beispiel
Pflegeleistungen und der Krankenversicherung für Kinder aus armen Familien.
"Wir haben das Defizit geschlossen und wir haben das Sicherheitsnetz
geschützt", erklärte die demokratische Parlamentspräsidentin Karen Bass nach
den Verhandlungen. Die Einnahmen aus der Einkommenssteuer waren im ersten
Halbjahr um 34 Prozent gesunken.
Weniger Dienstleistungen
US-Medien berichteten, viele Kalifornier
- vor allem aber Ältere und Arme - müssten auf Jahre hinaus mit weniger
Dienstleistungen auskommen. Die "Los Angeles Times" schrieb, Zehntausende
ältere Menschen und Kinder würde aus der Krankenversicherung fallen. Die
Gemeinden würden Milliarden bei Hilfsleistungen einsparen. Bei einer großen
Zahl von Strafgefangenen würde die Haftstrafe reduziert, um Unterbringungs-
und Bewachungskosten einzusparen. Angestellte des US-Staates würde weiterhin
gezwungen werden, unbezahlte freie Tage zu nehmen. Ferner sollen neue
Ölbohrungen vor der Küste von Santa Barbara Geld in die Kassen spülen.
Kalifornien war zuletzt 1992 gezwungen, Schuldverschreibungen auszustellen.
Seit der Großen Depression der 1930er Jahre ist es erst zwei Mal
vorgekommen. Kalifornien, das sich gerne für sein Silicon Valley und als
Heimat der Prominenten aus Hollywood sowie dem Show-Business rühmt, war
wegen der Haushaltskrise erneut zum Gespött der Nation geworden. Der nun
beschlossene Sparkurs im bevölkerungsreichsten US-Staat konterkariert zudem
die von der Regierung betriebene antizyklische Wirtschaftspolitik zur
Bekämpfung der Rezession.