26. Jänner 2009 19:13
Bei Protesten in Madagaskar sind am Montag nach Rundfunkberichten mindestens
drei Demonstranten ums Leben gekommen. Über der Hauptstadt Antananarivo
stand eine schwarze Rauchwolke. Die Gebäude zweier regierungsnaher
Fernsehsender brannten, mehrere Einkaufszentren wurden geplündert und
zerstört. Das Militär, das zunächst gegen die Demonstranten vorgegangen war,
zog sich wenig später zurück. Mehrere Regierungsmitglieder verließen nach
Augenzeugenberichten die Stadt. Nach unbestätigten Berichten befand sich
Staatspräsident Marc Ravalomanana in Südafrika, wo er an einem
Simbabwe-Krisengipfel teilnahm.
Der Protest von bis zu 80.000 Menschen hatte sich an der Schließung eines
populären regierungskritischen TV-Senders entzündet. Die Massendemonstration
bildete den Auftakt für einen unbefristeten Generalstreik auf der Insel, zu
dem Ravalomananas Kontrahent - der Bürgermeister der Hauptstadt Andry
Rajoelina (34) - aufgerufen hatte. Die meisten der in Brand gesteckten
Gebäude gehören zum umfangreichen Privatbesitz des Präsidenten. Ravalomanana
gehören neben dem größten Lebensmittelkonzern des Landes auch eine Radio-
und Fernsehstation, zwei Tageszeitungen, eine Straßenbaufirma und eine
Druckerei.
Ravalomanana (59) war einst Bürgermeister der Hauptstadt, bevor er im 2002
das höchste Staatsamt übernahm und im Dezember 2006 im Amt bestätigt wurde.
Sein Rivale ist der heutige Bürgermeister Antananarivos, Andry Rajoelina. Er
wirft dem Staatschef und der Regierung unverhohlen Diktatur und schwere
Verletzungen der Pressefreiheit in dem bitterarmen Land vor. Rajoelina war
Ende 2007 mit über 63 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister der Hauptstadt
gewählt worden. Eskaliert ist die Situation Mitte Dezember 2008, als die
Regierung Rajoelinas populären Fernsehsender "Viva" nach der Ausstrahlung
eines Interviews mit dem früheren Präsidenten Didier Ratsiraka schließen
ließ. Ratsiraka lebt seit 2002 im Exil in Frankreich.