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Spionage-Skandal erschüttert Washington

Schnüffelgate

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Spionage-Skandal erschüttert Washington

Helle Empörung herrscht bei den drei Kandidaten für die Schlacht ums Weiße Haus – bei den Demokraten Barack Obama und Hillary Clinton sowie dem Republikaner John McCain – über das Herumschnüffeln in Reisepass-Akte durch Angestellte des US-Außenamtes. „Niederrangige Werkvertrags-Mitarbeiter” haben durch Obamas elektronischen Reisedaten gestöbert. Zwei wurden gefeuert, einer suspendiert.

Peinlich für Condoleezza Rice
Wenige Stunden später eskalierte der Skandal sogar noch: Auch in den Reiseakten von Clinton und McCain sei geschnüffelt worden, teilte Außenministerin Condoleezza Rice verschämt mit. Sie gerät nun wegen des Chaos in ihrem Ministerium unter Druck.

Neugier oder Strategie?
Die Kernfrage: War es nur die Neugierde, wie die Bush-Regierung beteuert? Oder die gezielte Suche nach Wahlkampfmunition? Die US-Medien hat jedenfalls das „Watergate”-Fieber voll gepackt. Vor allem Obamas Akte ist brisant: Als Kind lebte er im muslimischen Indonesien, seine Verwandtschaft ist über drei Kontinente verstreut. Islam-Verbindungen waren schon davor aufgedeckt worden: Ein Foto von eine Afrika-Trip, auf dem Obama mit Turban zu sehen ist, sorgte für Furore. Doch der Mitarbeiter, der das Obama-File abrief, stöberte auch in McCains Akten.

„Ein ungeheuerlicher Eingriff in die Privatsphäre”, tobte Obamas Stab. Ein ähnlicher Skandal erschütterte die Regierung von Bushs Vater 1992. Das damalige Ziel des Reisepass-Schnüffelns: Bill Clinton.

Obama – der eine hochkarätige Wahlempfehlung des unter Latinos hochpopulären New-Mexico-Gouverneurs Bill Richardson einheimste – erhielt durch das „Passport-Gate” eine Atempause in der Affäre um seinen Hassprediger Jeremiah Wright. Dessen Tiraden à la „Gott verdamme Amerika” führten, trotz Obamas als historischer Rede über Amerikas Rassenprobleme, zum Crash in den Umfragen: Hillary führt US-weit laut „Gallup” nun mit 48 zu 43 Prozent, in Pennsylvania, wo am 22. April Primaries stattfinden, gar mit 51 zu 35 Prozent. Tenor von US-Politologen: Je länger die Rassendebatte dauert, desto „unwählbarer” wird Obama für durchschnittliche weiße Wähler.

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