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Taliban-Attacke auf Ministerien in Kabul

Afghanistan

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Taliban-Attacke auf Ministerien in Kabul

Mit Sturmgewehren und Sprengstoffwesten bewaffnet haben Taliban-Kämpfer das afghanische Justizministerium und weitere Regierungsgebäude angegriffen. Bei Anschlägen und Schießereien im Zentrum von Kabul wurden am Mittwoch mindestens 27 Menschen getötet, unter ihnen auch alle acht Angreifer. Bei den Attentaten am Tag vor einem geplanten Besuch des neuen US-Sondergesandten Richard Holbrooke in der afghanischen Hauptstadt seien mindestens 55 weitere Menschen verletzt worden, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Abdullah Fahim.

Ein Kommando von fünf bewaffneten Männern drang nach Angaben der Behörden am Vormittag in das Gebäude des Justizministeriums ein. Zwei Stunden nach Beginn des Angriffs hatten die Sicherheitskräfte die Lage unter Kontrolle. Alle fünf Angreifer wurden im Schusswechsel mit den Sicherheitskräften getötet.

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Auch Justizminister Sarwar Danesch war für kurze Zeit in dem Gebäude eingeschlossen. "Sie setzen Handgranaten und AK-47 (Sturmgewehre, auch als Kalaschnikow bekannt) ein", sagte er über Mobilfunk der Nachrichtenagentur AP. Ein Mitarbeiter des Ministeriums sagte, im Gang sei ein Mann mit einem Sturmgewehr gewesen, "der auf alle Angestellten geschossen hat, die er gesehen hat". Er sei dann aus einem Fenster im ersten Stock geklettert, um den Angreifern zu entkommen, sagte Nasir Mohammed mit zitternder Stimme.

Justiz- und Bildungsministerium
Zur gleichen Zeit sprengten sich zwei Männer vor der Gefängnisbehörde des Justizministeriums im Norden der afghanischen Hauptstadt in die Luft. Zu einem dritten Zwischenfall kam es in der Nähe des Bildungsministeriums. Dort wurde ein Bewaffneter von der Polizei erschossen.

Ein Sprecher der Taliban, Sabiullah Mujahid, sagte, die Angriffe seien eine Antwort auf die Misshandlung von Taliban-Häftlingen in den Gefängnissen der Regierung. "Wir haben die afghanische Regierung gewarnt, sie soll mit dem Foltern unserer Gefangener aufhören", sagte der Sprecher. "Heute haben wir das Anwesen des Justizministeriums angegriffen."

Der Angriff erfolgte kurze Zeit vor einem geplanten Besuch des Sondergesandten von US-Präsident Barack Obama in der Region. Die neue Regierung in Washington hat angekündigt, ihren militärischen Einsatz gegen die fundamentalistische Taliban-Miliz in Afghanistan zu verstärken.

Russland bietet Anti-Terror-Hilfe an
Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte unterdessen, seine Regierung sei bereit, die USA und die NATO bei der Bekämpfung von Taliban und Al-Kaida zu helfen. Dazu könnte auch die Genehmigung von Waffentransporten über russisches Territorium nach Afghanistan gehören. Zuvor hatte Russland schon zugesagt, Versorgungslieferungen für die US-Truppen zuzulassen.

US-Verteidigungsminister Robert Gates erwartet unterdessen, dass Präsident Barack Obama in Kürze über eine Truppenverstärkung in Afghanistan entscheidet. Wahrscheinlich sei ein Beschluss "in den nächsten paar Tagen", sagte Gates am Dienstag (Ortszeit) in Washington. Er habe Obama Empfehlungen zugeleitet, und es lägen verschiedene Optionen auf dem Tisch. Der Pentagonchef sprach von einem "sehr konstruktiven, überlegten" Entscheidungsprozess. "Es ist das erste Mal, dass dieser Präsident ersucht worden ist, eine große Zahl von Truppen nach Übersee zu schicken."

Mehr Truppen
Der US-Kommandant in Afghanistan, David McKiernan, hält eine Truppenverstärkung um bis zu 30.000 Soldaten für nötig, um die wiedererstarkten Taliban wirksam bekämpfen zu können. Zurzeit sind gut 36.000 US-Soldaten in Afghanistan stationiert. Es wird allgemein erwartet, dass Obama Grünes Licht für die Entsendung von drei weiteren Kampfbrigaden gibt. Das wären mit Unterstützungstruppen bis zu 15.000 zusätzliche Kräfte.

Zuletzt hatten Aufständische in Kabul am 17. Jänner vor der deutschen Botschaft einen Selbstmordanschlag verübt. Dabei hatte ein Attentäter vier Afghanen und einen US-Soldaten mit in den Tod gerissen, mehr als 30 Menschen waren verletzt worden. Unter den Verletzten waren auch ein deutscher sowie zwei afghanische Mitarbeiter der Botschaft.

Fotos: (c) Reuters, AP

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