US-Offensive im Irak - Al Kaida vor Attacke

Massiver Vorstoß

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US-Offensive im Irak - Al Kaida vor Attacke

US-Truppen im Irak haben zusammen mit irakischen Einheiten als Teil einer neuen Großoffensive einen massiven Vorstoß in der Provinz Diala unternommen. Dort seien seit der Nacht auf Dienstag 16.000 Soldaten beider Staaten gegen die islamistische Al-Kaida im Einsatz, teilte das US-Militär mit. Begonnen habe die "Operation Lightning Hammer" mit Luftangriffen. Eine vom irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki einberufene Krisenkonferenz der Parteiführer wird unterdessen nach Einschätzung sunnitischer und säkularer Kräfte über die Zukunft der Regierung in Bagdad entscheiden

Der neue Vorstoß des US-Militärs ziele auf Extremisten, die nach früheren Gefechten aus der Provinzhauptstadt Bakuba geflüchtet und untergetaucht seien, hieß es. Am Montag hatten die Alliierten den Beginn der Offensive "Phantom Strike" bekanntgegeben. Bisher sind kaum Einzelheiten dazu bekanntgeworden. Bei neuer Gewalt sind inzwischen vier US-Soldaten ums Leben gekommen, drei davon bei einem Bombenanschlag auf ihr Fahrzeug in der Unruheprovinz Ninive. Im August wurden damit bisher nach einer Zählung auf Basis von Pentagon-Angaben mindestens 33 US-Soldaten im Irak getötet.

Offensive der Al-Kaida geplant
Die Offensive der Al-Kaida-Terroristen soll den mit Spannung erwarteten Report von US-General David Petraeus über die Effektivität der im Jänner von US-Präsident George W. Bush angeordneten Militär-Offensive ("Surge") überschatten. Außerdem soll die Debatte im US-Kongress über einen möglichen Abzug der US-Truppen beeinflusst werden. Petraeus wird am 15. September rapportieren.

Vergleich mit "Tet-Offensive" Bush-Berater vergleichen die Terroristen-Taktik bereits mit der "Tet-Offensive", dem koordinierten Überraschungsangriff des Vietkong in 100 Städten im Vietnamkrieg 1968. Die Attacke gilt als Wendepunkt des Vietnamkrieges.

Warnung
In dem Gemeinschaftsreport aller 16 US-Geheimdienste ("National Intelligence Estimate", NIE) werden aber auch Fortschritte im Kampf gegen die Terroristen vermeldet: Durch die verstärkte Kooperation der Iraker mit den US-Besatzern sei in einigen Provinzen die Zahl der Attacken von 30 bis 40 pro Tag auf weniger als eine gefallen. Doch gleichzeitig wird gewarnt, dass Al Kaida im Irak nach wie vor ausreichend Logistik und Mannstärke besitzt, um "verheerende, koordinierte Attacken" vor allem auf "weiche Ziele", wie etwa Marktplätze zu exekutieren.

PR-Offensive Bush-Kritiker befürchten, dass die Regierung den Geheimdienstreport für ihre PR-Offensive als Vorbereitung für den entscheidenden Showdown mit den Demokraten im September missbrauchen könnte: Die befürchteten Mega-Attacken könnten nicht als Zeichen der Stärke, sondern als Verzweiflungsschläge gedeutet werden, da die Terroristen wegen der "ermutigenden Resultate des Surge", wie Bush nun allerorten tönt, unter massiven Druck geraten seien.

Chaos in Bagdad
Das politische Chaos in Bagdad ist unterdessen weiter eskaliert: Premier Nuri al-Maliki will mit einem Krisengipfel diese Woche seine Regierung retten und die bisher gescheiterte „nationale Aussöhnung” ankurbeln. Gleich elf Minister verschiedenster Fraktionen haben Malikis Regierung in den letzten Monaten boykottiert.

Gipfel im Irak
Malikis Gipfel soll unter massivem Druck der US-Regierung zustande gekommen sein: Bush will auch an dieser Front im September positive Resultate präsentieren. Doch US-Diplomaten im Irak zeigten sich in letzter Zeit extrem frustriert über Malikis Unfähigkeit, geordnete Verhältnisse zu schaffen.

Die Arbeit der Zentralregierung in Bagdad tauge zurzeit nicht für die Verbreitung positiver Nachrichten aus dem Bürgerkriegsstaat, so die New York Times dezent.

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