US-Truppen töten 350 Bewaffnete

Irak-Konflikt

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US-Truppen töten 350 Bewaffnete

Während des schiitischen Ashura-Festes mit zahlreichen Pilgerprozessionen sind im Irak seit Sonntag durch eine Offensive von US-Militärs und irakischen Sicherheitskräften zwischen 250 und 350 mutmaßliche Terroristen getötet und 130 Verdächtige festgenommen worden. Der Militäreinsatz fand nach Angaben der Stadtverwaltung in der Nähe der südirakischen Pilgerstadt Najaf statt. Die irakische Polizei vermutet, dass die sunnitischen Extremisten schiitische Pilger angreifen wollten, die sich derzeit in großer Zahl wegen eines hohen muslimischen Festes in der Region versammeln. In der irakischen Hauptstadt Bagdad kamen durch mehrere Anschläge sechs Menschen ums Leben und zehn weitere wurden verletzt.

Al-Sarka-Verstecke belagert
Zu möglichen Opfern unter den irakischen Sicherheitskräften machte der Sprecher keine Angaben. Diese hatten am Sonntag, nachdem sie die mutmaßlichen Extremisten in den Feldern von Al-Sarka im Norden von Najaf umzingelt hatten, die US-Luftwaffe zur Hilfe gerufen. Der Sprecher sagte, ein US-Hubschrauber sei abgestürzt. Zwei amerikanische Soldaten seien ums Leben gekommen. Laut Augenzeugen belagerten Polizei und Armee am Montag weiterhin Verstecke der mutmaßlichen Extremisten in Al-Sarka. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, die Region vor einem weiteren Angriff zu verlassen.

Das Schicksal des mutmaßlichen Anführers der "Soldaten des Himmels" genannten Miliz, Ahmed Ibn el Hassan, ist laut einem der Sprecher des Gouverneurs nicht bekannt. Möglicherweise befinde er sich mit einem Teil seiner Anhänger auf der Flucht. Nach dem Milizenchef werde gefahndet. Bei Durchsuchungen seien zahlreiche zum Teil schwere Waffen sichergestellt worden. Die Lage sei nun ruhig, sagte der Gouverneur.

Ashura-Fest der Schiiten
Hunderttausende Schiiten hatten sich in den vergangenen Tagen auf den Weg zu den heiligen Stätten in Najaf und Kerbala gemacht, um dort das Ashura-Fest zu begehen. Bei den Feierlichkeiten, die an diesem Montag ihren Anfang nehmen sollen, begehen die Schiiten den Todestag des Imams Hussein, dessen Schrein in Kerbala steht. Die Sunniten und die von den Schiiten dominierte irakische Regierung hatten den Montag zum Ashura-Tag erklärt. Schiitische Geistlichen hatten dagegen erklärt, der wichtigste Tag werde dieser Dienstag sein. Dann werden nach Angaben des Gouverneurs von Kerbala, Akil al-Khasali, zwei Millionen Menschen in der Stadt erwartet. Zehntausend Soldaten und Polizisten seien aufgeboten worden, um die Sicherheit der Pilger zu gewährleisten.

Der Vorsitzende der Schiiten-Partei SCIRI, Abdul aziz al-Hakim, bekräftigte am Montag vor Tausenden von Anhängern in Bagdad, seine Forderung nach der Gründung einer Autonomieregion in den vorwiegend von Schiiten bewohnten Regionen des Süd- und Zentralirak. "Das entspricht der Verfassung und wird uns helfen, die meisten Probleme zu lösen", fügte er hinzu. Die SCIRI-Partei gehört der zur Regierungskoalition von Ministerpräsident Nouri al-Maliki an.

Sunniten gegen Autonomie
Die Sunniten lehnen die Autonomiebestrebungen ab. Sie sehen darin einen Schritt hin zu einem Zerfall des Staates. Der sunnitische Rat der Religionsgelehrten protestierte am Montag gegen die Gefangennahme von zwölf Wächtern einer sunnitischen Moschee in Bagdads Stadtteil Al-Amiriya durch die "amerikanische Besatzungsarmee".

In den vorwiegend von Schiiten bewohnten Vierteln von Ost-Bagdad detonierten am Montag zwei Autobomben und ein Sprengsatz. Nach Angaben der Polizei starben fünf Zivilisten. Die Polizei fand innerhalb von 24 Stunden 42 Leichen von Mordopfern in der Hauptstadt. Die meisten waren gefoltert und anschließend erschossen worden.

Uni-Personal im Visier der Entführer
Das Hochschulministerium in Bagdad gab bekannt, drei Professoren der Justizfakultät der Al-Nahrain-Universität und ein Student seien am Sonntag entführt worden. Laut Ministerium wurden seit Kriegsende im April 2003 insgesamt 185 Professoren getötet, 142 Dozenten verhaftet und 52 Professoren entführt.

Hillary Clinton fordert Truppenabzug bis 2009
Die amerikanische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton hat Präsident George W. Bush aufgefordert, bis zum Ende seiner Amtszeit im Jänner 2009 den Konflikt im Irak zu lösen. "Es war seine Entscheidung, mit einem schlecht entwickelten Plan und einer unfähig ausgeführten Strategie in den Krieg zu ziehen", erklärte Clinton am Sonntag bei ihrem ersten Wahlkampfauftritt in Davenport im US-Staat Iowa. "Wir erwarten von ihm, dass er unser Land davon befreit, bevor er das Amt verlässt."

Es wäre "der Höhepunkt an Unverantwortlichkeit", wenn Bush den Irak-Krieg seinem Nachfolger im Weißen Haus weitergeben würde, sagte Clinton. Das Weiße Haus kritisierte die Äußerungen der Senatorin von New York als eine vom Parteienkampf bestimmte Stellungnahme, die den Einsatz der US-Streitkräfte untergrabe.

Besonders frühe Vorwahl in Iowa
Clinton gilt als aussichtsreiche Bewerberin für die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei. Iowa, wo sie am Sonntag auftrat, gehört zu den Staaten mit einer besonders frühen Vorwahl. In diesen "Primaries" werden die Delegierten der einzelnen Bewerber für eine Parteiversammlung bestimmt, die den Präsidentschaftskandidaten für die Wahl im November 2008 wählt.

Ein weiterer möglicher Kandidat der Demokraten, Joseph Biden, erklärte, der Widerstand gegen die Truppenaufstockung im Senat werde in dieser Woche mit Beginn der Debatte darüber sichtbar werden. Er wette, dass nicht einmal 20 Prozent der Senatoren Bushs Entscheidung für richtig hielten. Der republikanische Senator Mitch Connell bezweifelte dagegen, dass der Senat eine nicht bindende Resolution gegen die Truppenaufstockung verabschieden werde. Derzeit gebe es so viele Vorschläge, dass wahrscheinlich nicht einer von ihnen eine Mehrheit erhalten werde, sagte Connell am Sonntag.

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