Unruhen auf Guadeloupe fordern ersten Toten

Krawalle in Karibik

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Unruhen auf Guadeloupe fordern ersten Toten

Auf der französischen Karibikinsel Guadeloupe ist erstmals seit Beginn der Unruhen ein Mensch erschossen worden. In der Nacht zum Mittwoch wurde ein Mann an einer Straßensperre in der Hauptstadt Pointe-a-Pitre von bewaffneten Jugendbanden erschossen, wie der Krisenstab der Präfektur mitteilte.

Straßenschlachten
Den Behörden zufolge feuerten Jugendbanden mit scharfer Munition auf die Polizei, zogen brandschatzend durch die Straßen und lieferten sich Straßenschlachten mit den Einsatzkräften. Mindestens sechs Polizisten wurden demnach leicht verletzt. Die Regierung in Paris mahnte zu Ruhe.

Krawallmacher blockierten die Zufahrtsstraßen nach Pointe-a-Pitre, teils setzten sie die Straßensperren in Brand, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Bei dem Erschossenen handelte es sich nach Behördenangaben um einen Gewerkschafter. Dieser sei nach einer Kundgebung in seinem Auto tödlich getroffen worden, als zahlreiche Jugendliche auf Polizisten feuerten.

Die Bevölkerung fühle sich im Stich gelassen, sagte der Bürgermeister von Pointe-a-Pitre, Jacques Bangou. Er habe die ganze Nacht mit den Menschen auf der Straße verbracht und "zugeschaut, wie die Stadt in Schutt und Asche gelegt wird". In mindestens neun Fällen sei die Polizei nicht eingeschritten, als Jugendbanden Autos oder Geschäfte in Brand gesetzt hätten. Die Bevölkerung in dem französischen Verwaltungsgebiet fühle sich ohnmächtig, als ob sie "keinem Rechtsstaat" mehr angehöre und nicht mehr sicher sei. Währenddessen tue die Regierung in Paris so, als ob sie alle Zeit der Welt habe, kritisierte der Bürgermeister.

Verhandlungen in Paris
Regierungssprecher Luc Chatel sagte in Paris, das Wichtigste sei, dass Ruhe einkehre. Die Menschen sollten sich an den Verhandlungstisch setzen statt auf die Barrikaden zu gehen. Gewalt sei keine Lösung. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy wollte die Abgeordneten und Vertreter des Überseegebietes am Donnerstag in Paris empfangen. In Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern wurde bisher kein Durchbruch erzielt.

In Guadeloupe und seit knapp zwei Wochen auch auf der Nachbarinsel Martinique steht das öffentliche Leben praktisch still, weil die Menschen gegen die teuren Lebenshaltungskosten protestieren. Schulen, Ämter, Banken und Geschäfte in den beiden französischen Verwaltungsgebieten sind größtenteils geschlossen, die Müllabfuhr hat ihre Arbeit eingestellt, an den Tankstellen gibt es kaum noch Benzin. Der Hotelverband bezeichnet den Verlust für die Reisebranche als "katastrophal" - die Karibikinseln sind gerade während der derzeitigen Winterferien ein beliebtes Urlaubsziel bei den Franzosen.

Auf Martinique demonstrierten am Montagabend 10.000 Menschen gegen steigende Preise. Wegen der angespannten Lage haben 10.000 Touristen ihre Urlaubsbuchungen auf beiden Inseln storniert.

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