Verwirrung um Geiseln im Jemen

10 Tage verschleppt

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Verwirrung um Geiseln im Jemen

Verwirrung im Drama um die im Jemen verschleppten Ausländer: Der arabische Fernsehsender Al-Arabiya weckte am Montag kurzfristig Hoffnung auf eine baldige Lösung. Unter Berufung auf anonyme Behördenkreise meldete er, die fünfköpfige Familie aus Deutschland und der zusammen mit ihnen entführte britische Ingenieur seien noch am Leben. Die Entführer hätten sie in der Provinz Saada den schiitischen Houthi-Rebellen übergeben, die sie freilassen wollten.

Auch der jemenitische Botschafter in Deutschland, Mohammed Al-Eryani, geht davon aus, dass die Geiseln bald freikommen. Die Houthi-Rebellen bestritten dies jedoch kurz darauf.

Rebellen dementieren
Weder die Polizei in Saada noch die Regierung in der Hauptstadt Sanaa bestätigten später Berichte über eine angeblich bevorstehende Freilassung der Geiseln. Salih Habra, der Sprecher der Houthi-Bewegung, sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa, die Rebellen hätten keinerlei Informationen über das Schicksal der Geiseln. Sie hätten lediglich "einige Erkenntnisse" über die Identität der Geiselnehmer, die sie einer "neutralen Partei" übermitteln wollten. Er vermutete hinter dem TV-Bericht einen neuerlichen Versuch der jemenitischen Regierung, das Verbrechen den Rebellen in die Schuhe zu schieben. Kurz zuvor hatten in der Stadt Saada Berichte über angebliche Lösegeldverhandlungen die Runde gemacht.

Auch die deutsche Bundesregierung konnte den Fernsehbericht nicht bestätigen. "Ich kann nur sagen, dass es sich um Gerüchte handelt, die dem Krisenstab bekannt sind", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Er sagte ferner, inzwischen seien die Leichen der beiden im Jemen getöteten deutschen Frauen nach Deutschland gebracht worden.

Zwei Frauen erschossen
Die Entführer hatten die Ausländer, die im Jumhuri-Krankenhaus in Saada arbeiteten, am 12. Juni während eines Ausfluges überfallen. Zwei deutsche Pflegehelferinnen und eine koreanische Lehrerin wurden bereits am ersten Tag des Geiseldramas erschossen. Zu der Entführung hat sich bisher niemand bekannt. Die Regierung verdächtigte nach eigenen Angaben die Houthi-Rebellen, die ihrerseits jede Beteiligung an dem Verbrechen bestreitet.

Ein Stammesvertreter, auf den sich offenbar auch Al-Arabiya berief und der anonym bleiben wollte, sagte der Nachrichtenagentur AFP: Die Verschleppten seien am Leben. Die sechs befänden sich in der Gewalt schiitischer Aufständischer in der Gegend von Rusmat in der nordjemenitischen Provinz Saada. Sie seien dem schiitischen Rebellenführer Abdallah al-Rizani übergeben worden. Der Stammesvertreter sagte, zu den Entführern zählten offenbar zwei Männer namens Mohsen al-Tam und Fauaz Morki, die zu den schiitischen Rebellen im Norden Jemens gehörten. Auch jemenitische Sicherheitskreise bestätigten diese Angaben. "Diese Informationen sind zutreffend", sagte ein Mitarbeiter der Sicherheitskräfte AFP. Die Rebellen lehnten es ab, die Geiseln freizulassen.

Geiseln bald frei?
Der jemenitische Botschafter in Deutschland geht davon aus, dass die deutschen Geiseln rasch freikommen. Es sei "sehr wahrscheinlich", dass die Entführer die Familie nicht getötet haben und dass das Geiseldrama "noch diese Woche gelöst wird", sagte Mohammed Al-Eryani am Montag dem Berliner "Tagesspiegel".

In der Region Saada bekämpfen sich seit 2004 schiitische Aufständische und Regierungstruppen. Tausende Menschen wurden bisher in dem Konflikt getötet.

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