21. Oktober 2009 16:00
Nach zweieinhalb Tagen sind die Wiener
Gespräche bei der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO
bzw. IAEA) der USA, Russlands und Frankreichs mit dem Iran über dessen
Atomprogramm ohne unmittelbare Einigung zu Ende gegangen. Dabei ging es um
die Möglichkeit, dass der Iran nuklearen Brennstoff für seinen
Forschungsreaktor nicht selbst herstellt, sondern Uran
im Ausland anreichern lässt. IAEO-Generaldirektor Mohamed ElBaradei
legte dazu einen Vorschlag vor, dem die Beteiligten bis Freitag zustimmen
sollen.
YouTube
ElBaradei erklärte nach Ende des Treffens: "Der Geist
hier war sehr konstruktiv und in die Zukunft gerichtet." Alle, die an den
Verhandlungen teilnahmen, "haben versucht, (...) die Wunden zu heilen",
sagte der IAEO-Chef in einer auf YouTube verbreiteten Stellungnahme. Es sei
zwar nur um den Forschungsreaktor zur Diagnose und Behandlung von Krebs
gegangen. Aber die Frage betreffe "höchst wichtige Maßnahmen zur
Vertrauensbildung und könnte eine Krise beilegen, die seit Jahren andauert,
und Raum für Verhandlungen öffnen", sagte ElBaradei zum langjährigen Streit
um das iranische Atomprogramm.
Normalisierung
Stimmen alle Akteure der Wiener Gespräche den
Vorschlägen ElBaradeis für die Urananreicherung im Ausland zu, muss der
IAEO-Gouverneursrat die Vereinbarung ratifizieren. "Ich hoffe sehr, die
Leute können sehen, dass die Vereinbarung den Weg öffnen könnte, für eine
komplette Normalisierung zwischen dem Iran und der internationalen
Gemeinschaft", sagte der ägyptische Diplomat. "Alle, einschließlich der
Iran, sollten bis Freitag zustimmen."
Der iranische IAEO-Botschafter Ali Asghar Soltanieh wollte nicht sagen, ob
sich der Iran bereiterklärt hat, bis zum Jahresende 1.200 Kilogramm Uran zur
Aufbereitung ins Ausland zu liefern.
Grundsätzliche Einigung
Der Iran sowie die fünf ständigen
UNO-Sicherheitsratsmitglieder (USA, Russland, Frankreich, Großbritannien,
China) plus Deutschland hatten sich Anfang Oktober bei Verhandlungen
in Genf grundsätzlich darauf geeinigt, iranisches Uran zur weiteren
Anreicherung nach Russland und dann zur Weiterverarbeitung nach Frankreich
zu liefern. Dann soll der Brennstoff, den der Iran für den Forschungsreaktor
verwenden will, wieder nach Teheran zurückgebracht werden.
Die daraus resultierenden Atomgespräche in Wien gestalteten sich aber
schwieriger als zunächst angenommen. Der iranische Außenminister Manouchehr
Mottaki bekräftigte am Dienstag in Teheran einmal mehr, die Urananreicherung
sei ein unverzichtbares Recht seines Landes. Aus Verhandlerkreisen hieß es
zudem, der Iran wolle bei einer möglichen Anreicherung seines Urans im
Ausland nun Frankreich angeblich nicht mehr als Partner akzeptieren. Die
Skepsis des Iran gegenüber Frankreich basiert den Informationen zufolge vor
allem auf Erfahrungen aus der Zusammenarbeit bei der EURODIF-Atomanlage: Der
Iran ist seit Schah-Zeiten an der französischen Uran-Anreicherungsanlage
beteiligt, bekommt von dort aber seit 1979 kein Material mehr. Die
ursprünglich als Ausgleich vereinbarte Zahlung von Gewinnanteilen wurde 2006
im Zuge von Sanktionen gegen das Land gestoppt.