Wiener aus der Hölle von Bombay wieder zu Hause Wiener aus der Hölle von Bombay wieder zu Hause

Terror in Indien

 

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Wiener aus der Hölle von Bombay wieder zu Hause

Elitekommandos der indischen Sicherheitskräfte haben am Samstag in einem Luxushotel von Bombay (Mumbai) die letzten Angreifer einer Terrorwelle getötet, die sechzig Stunden lang die Finanz- und Millionenmetropole erschüttert hat. Nach offiziellen Angaben wurden bei den koordinierten Angriffen extremistischer Gruppen auf zehn herausgehobene Orte der Stadt mindestens 195 Menschen getötet, darunter 15 Ausländer. 295 Menschen wurden verletzt. Die indischen Behörden rechneten noch mit einer Erhöhung der Opferbilanz.

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Wiener wieder zu Hause
Jenes österreichische Ehepaar, das sich im "Taj Mahal" während der Terror-Attacke aufgehalten hatte, ist inzwischen wieder zu Hause. Ein Sprecher des Außenamtes bestätigt: "Ja, die Wiener sind gelandet. Es geht ihnen den Umständen entsprechend gut." Vertreter des Außenministeriums hatten sie am Freitag in Mumbai noch den ganzen Tag begleitet und ihnen Hilfestellung bis zum Einchecken gegeben. Kurz nach Mitternacht wurde bestätigt, dass die beiden für den Austrian Airlines-Flug eingecheckt hatten, der via Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) in Wien landete und gegen 6.15 Uhr aufsetzte.

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Polizei fuhr schweres Geschütze auf
Der Angriff der Eliteeinheiten auf die im Hotel "Taj Mahal", einem Wahrzeichen der Stadt, verschanzten Terroristen war mit schweren Waffen vorbereitet worden. Es gab heftige Explosionen, ein Teil des Hotels mit 595 Zimmern fing Feuer. Der Polizeichef der Stadt, Hasan Ghafoor, teilte schließlich mit: "Die Operation ist abgeschlossen". Der Chef der Kommando-Einheit der Nationalen Sicherheitsgarde, J.K. Dutt, sagte: "Dort waren drei Terroristen, wir haben sie getötet." Im entscheidenden Angriff sei auch ein Major seiner Einheit getötet worden. Das Hotel werde weiter durchsucht.

Im Taj Mahal hielten sich noch immer Hotelgäste auf. "Sie sind noch verängstigt. Wenn wir sie auffordern, herauszukommen und sich auszuweisen, haben sie natürlich Angst", sagte Dutt. Nach amtlichen Angaben wurden zwölf Extremisten getötet und einer verhaftet.

Suche nach den Drahtziehern
Die Sicherheitskräfte fahndeten weiter fieberhaft nach den Drahtziehern der Angriffswelle mutmaßlich muslimischer Extremisten. Zu Beginn bekannte sich eine bis dahin unbekannte Gruppe namens "Deccan Mujahideen" zu der Gewaltaktion. Indische Regierungsvertreter deuteten auch eine ihrer Ansicht nach bestehende Verwicklung Pakistans an. Der Nachbarstaat, mit dem Indien seit der Unabhängigkeit 1948 drei Kriege führte, sagte seine Kooperation bei den Ermittlungen zu. Die US-amerikanische Bundespolizei FBI entsandte ein Ermittlerteam nach Indien, um bei der Aufklärung der Hintergründe zu helfen.

Stunden vor dem Angriff auf die Extremisten im Taj Mahal hatten Elitekommandos das Hotel Oberoi-Trident und ein jüdisches Zentrum gestürmt. In beiden befreiten Gebäuden machten die Sicherheitskräfte entsetzliche Entdeckungen: Im Chabad-Lubavitch-Zentrum fanden sie sechs tote Geiseln, darunter der Rabbiner und dessen Frau. Im Oberoi wurden 24 Leichen aufgefunden. Dutzende Menschen - darunter auch 20 Angestellte der Fluggesellschaften Lufthansa und Air France - wurden evakuiert.

Attentäter lebten als Studenten getarnt
Mehrere der islamistischen Attentäter von Bombay (Mumbai) haben laut einem Zeitungsbericht die indische Finanzmetropole vor einigen Monaten besucht und dort längere Zeit als Studenten getarnt gelebt. Unter Berufung auf einen Verhörbericht eines gefangengenommen Extremisten berichtete die Zeitung "Times of India" am Samstag, neun der Attentäter hätten eine Wohnung im Stadtteil Colaba in der Innenstadt gemietet. Die Gruppe habe oft die beiden Luxushotels besucht, die unter den Zielen der Anschlagserie vom Mittwoch waren. Die Extremisten, von denen die meisten aus Pakistan stammten, hätten sich als Malaysier ausgegeben.

Mindestens zehn der Angreifer seien in der abgelaufenen Woche in Bombay eingesickert, berichtete die Zeitung über die Planung der Anschläge. Sie hätten einen indischen Fischkutter in internationalen Gewässern gekapert, die vier Besatzungsmitglieder getötet und seien dann mit Schlauchbooten an Land gegangen. Die mörderischen Anschläge seien von insgesamt 16 Attentätern verübt worden.

Lesen Sie hier weiter: So schildern Überlebende die Angriffe

Eltern vom zweijährigen Moshe tot
Das Rabbiner-Ehepaar Gavriel und Rivka Holtzberg ist unter den Toten, wie der New Yorker Sitz des Chabad Lubavitch Movement mitteilte. Der zwei Jahre alter Sohn der Toten, Moshe, war am Vortag vom Kindermädchen wie durch ein Wunder gerettet worden.

Lufthansa-Mitarbeiterin aus Österreich?
Die deutsche Nachrichtenagentur dpa berichtete von einer Lufthansa-Mitarbeiterin aus Österreich, die ebenfalls aus dem Luxushotel befreit wurde. Ob es sich dabei um eine zusätzliche Person oder eine Verwechslung mit dem Mann handelt, der für die deutsche Fluglinie arbeitet, war vorerst nicht klar. Beim Außenamt wusste man nichts über eine zweite betroffene Person aus Österreich; bei dem bekannten (und oben erwähnten) Fall handle es sich definitiv um einen Mann. Von der Lufthansa in Österreich gab es dazu kein Stellungnahme.

Österreichischer AUA-Mitarbeiter bleibt in Bombay
Der Österreicher Herbert Koschir, der im Ö1-Morgenjournal telefonisch aus Bombay berichtete, wird in der Stadt bleiben. Ihm wurde laut dem Außenamt geraten, seine Wohnung vorerst aus Sicherheitsgründen nicht zu verlassen. Wie der Vertreter der Austrian Airlines (AUA) in einem Telefonat mit dem Ö1-Morgenjournal am Freitag erklärte, harre er seit dem Beginn der Terroranschläge in seiner Wohnung aus, die in Sichtweite zum Hotel liege. Er könne Scharfschützen auf dem Dach des Hotels sehen, es fielen immer wieder Schüsse. Er selbst sei unversehrt.

"Überall Blut"
"Ich kann nicht glauben, was ich in den vergangenen 36 Stunden erlebt habe", sagte ein Iraker aus Basra nach seiner Rettung aus dem Luxushotel Oberoi Trident in der indischen Wirtschaftsmetropole Bombay. Er hatte Glück, genauso, wie rund 120 Hotelgäste des zweiten Luxushotels Taj Mahal, das Extremisten am Mittwochabend angriffen. "Als wir Schüsse hörten, verbarrikadierten wir das Restaurant und machten dort sämtliche Lichter aus. Dann brachten wir die verängstigten Gäste in die Küche und bewaffneten uns mit Messern und Hackbeilen", schilderte der südafrikanische Wachmann Faisul Nagel den Überfall im Taj Mahal.

Kurz nach seinem Bericht starb Brite
Tödlich endete dagegen für den Briten Andreas Liveras der Aufenthalt im Taj Mahal. Er habe sich gerade im Hotelrestaurant zu Tisch gesetzt, als Maschinengewehrfeuer in den Fluren zu hören war, berichtete der gebürtige Zypriote dem Rundfunksender BBC. "Wir haben uns unter den Tischen versteckt, und dann haben sie das Licht ausgemacht." Alle Restaurantgäste seien in einen Salon gebracht worden, wo "mehr als 1000 Leute" zusammengepfercht seien, darunter Touristen, Einheimische und Hotelbewohner. Die Türen seien von außen abgeschlossen worden.

"Niemand kommt in diesen Raum und niemand geht raus, wir wissen wirklich nicht, was los ist", sagte Liveras der BBC. "Wir schauen uns nur an, und jedes Mal, wenn man etwas hört, springen alle auf." Liveras überlebte den Horror nicht. Der 73-Jährige sei "kaltblütig" erschossen worden, berichtete sein Bruder hinterher.

Österreicher kommen heim
Jenes österreichische Ehepaar, das am Mittwoch in Bombay (Mumbai) Augenzeuge des Terroranschlags auf das Taj-Mahal-Hotel wurde, dürfte am Samstag in die Heimat zurückkehren. "Das Ehepaar hat Not-Reisedokumente erhalten und ist auf einem AUA-Flug gebucht", sagte Außenamts-Sprecher Peter Launsky-Tieffenthal. Vermutlich handle es sich um die Maschine, die in der Nacht auf Samstag in Wien-Schwechat ankommen soll.

Neben dem Ehepaar befinden sich offenbar noch ein bis zwei österreichische Lufthansa-Mitarbeiter in der indischen Metropole. Ein Österreicher habe sich aus Sicherheitsgründen bis Freitag im Hotel Oberoi-Trident in seinem Zimmer eingeschlossen, er sei keine Geisel gewesen und werde wie seine Kollegen von der Lufthansa betreut, so Launsky-Tieffenthal. Diese kümmere sich auch um den Transport. Der Mann sei jedenfalls frei und in Sicherheit.

24 Todesopfer im Hotel Oberoi-Trident entdeckt
Indische Sicherheitskräfte haben nach eigenen Angaben das zuvor von Islamisten besetzte Hotel "Oberoi Trident" in Bombay (Mumbai) gesichert. Dies sagte der Chef einer Sondereinheit am Freitag. Bei der Kommandoaktion seien zumindest zwei Terroristen getötet worden. Nach der Erstürmung des Luxushotels Oberoi-Trident in Bombay (Mumbai) haben die Sicherheitskräfte dort 24 Leichen entdeckt. "Wir glauben, dass dort keine weiteren Terroristen sind", sagte der Polizei-Chef. Zuvor hatte der Chef der nationalen Sicherheitsgarde mitgeteilt, die Armee habe die Lage in dem Hotel unter Kontrolle. Er hatte noch von 50 Toten gesprochen, diese Zahl wurde später nicht bestätigt.

Am Morgen waren mehr als 90 Menschen aus dem Luxushotel befreit worden, die meisten von ihnen Ausländer. Unter den Befreiten waren auch sieben Mitarbeiter der Lufthansa sowie zwei Mitarbeiter des deutschen Außenministeriums. Bewaffnete Angreifer hatten das Hotel mit zahlreichen Gästen bei der Angriffsserie in Bombay am Mittwochabend gestürmt.

Rund 50 Leichen im Taj Mahal-Hotel
Bei einer Kommandoaktion der indischen Sicherheitskräfte sind im Taj Mahal-Hotel die Leichen von rund 50 Personen entdeckt worden. Allein in einem Raum seien zwölf bis 15 Tote gelegen, berichtete einer der Einsatzleiter bei einer live über CNN übertragenen Pressekonferenz am Freitag in Bombay (Mumbai).

Die Antiterror-Kommandos fanden bei ihren Einsätzen Geld, Munition und auch einen Personalausweis aus Mauritius. Man gehe davon aus, dass er einem der Terroristen gehöre, sagte der Einsatzleiter, der aus Sicherheitsgründen schwarz vermummt und mit dunklen Sonnenbrillen vor die Kameras trat.

Insgesamt hatten die Terroristen am Mittwochabend mindestens zehn Ziele in Bombay mit Schnellfeuergewehren und Handgranaten angegriffen. Unter 130 Todesopfern ist auch mindestens ein Deutscher. Über 320 Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, darunter 22 Ausländer. Zu den Anschlägen hatte sich die bisher nicht in  Erscheinung getretene muslimische Gruppe "Deccan Mujaheddin" bekannt.

Französisches Flugzeug holt Europäer zurück
Frankreich hat am Freitag ein Flugzeug in die indische Finanzmetropole Bombay geschickt, um Europäer nach den Terroranschlägen in ihre Heimat zurückzubringen. Außenminister Bernard Kouchner erklärte, an Bord seien neben drei Ärzten auch Konsularmitarbeiter. Diese sollten Menschen helfen, die in dem Chaos der Terrorwelle ihre Ausweise verloren haben.

Deutschland und Spanien hätten Paris gebeten, auch ihre Staatsangehörigen nach Hause zu bringen, sagte Kouchner. Das Flugzeug habe Platz für 150 Passagiere. Die Maschine traf am Freitag in der Früh in Bombay ein und sollte bereits am Abend die Rückreise antreten.

Insgesamt 9 Terroristen getötet
Bei den Gefechten zwischen Sicherheitskräften und den islamistischen Terroristen in Bombay (Mumbai) sind nach offiziellen Angaben neun der Attentäter getötet worden. Einer sei festgenommen worden, teilte ein Regierungsvertreter am Freitag in Bombay mit. Er komme aus Pakistan, hieß es.

Streit zwischen Pakistan und Indien entbrannt
Indiens Erzrivale Pakistan hat unterdessen die beispiellose Anschlagserie in Bombay verurteilt. Die indische Regierung hatte am Donnerstag ausländische Terrorgruppen für die Gewalt in der Finanzmetropole verantwortlich gemacht. Indien werde entschlossen dagegen vorgehen, wenn in Nachbarländern Angriffe vorbereitet würden, sagte der indische Ministerpräsident Manmohan Singh. Mit der Bezeichnung "Nachbarn" ist in der Regel Pakistan gemeint. Beobachter fürchteten, dass die Spannungen zwischen den beiden Atommächten nun wieder zunehmen.

Sollten keine angemessenen Maßnahmen ergriffen werden, um Angriffe in Indien zu unterbinden, werde dies seine Folgen haben, sagte der indische Regierungschef weiter. Pakistan sicherte daraufhin seine volle Unterstützung zu. In der Vergangenheit hat Indien mehrfach Pakistan vorgeworfen, in Indien agierende islamistische Extremisten unterstützt zu haben.

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