Wikileaks: Einblicke in Milosevics Haftzeit

US-Depesche

© EPA

Wikileaks: Einblicke in Milosevics Haftzeit

Die Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks hat eine US-Depesche veröffentlicht, die einzigartige Einblicke in die Haftzeit des ehemaligen serbischen Machthabers Slobodan Milosevic gibt. In dem Dokument, das die Nachrichtenagentur AFP am Freitag einsehen konnte, heißt es, Milosevic habe während seines Prozesses vor dem UN-Kriegsverbrecher-Tribunal für Ex-Jugoslawien in Den Haag in seiner Zelle billige Kriminalthriller gelesen und CDs von Frank Sinatra gehört. Außerdem habe der 2006 verstorbene Ex-Präsident bei jedem Wetter täglich einen einstündigen Spaziergang im Gefängnishof gemacht.

Milosevic habe "eine Nation manipulieren" können
Die US-Depesche war im November 2003 nach einem Gespräch mit dem Leiter der Haftanstalt des Haager Tribunals, Tim McFadden, an Washington gekabelt worden. McFadden hatte demnach Zugang zu allen Protokollen der Telefonate, die Milosevic mit Angehörigen und Freunden führte. McFadden hob den Angaben zufolge den großen Einfluss von Milosevics Frau Mira Markovic auf den serbischen Ex-Staatschef hervor, mit der Milosevic täglich telefoniert habe. Milosevic habe "eine Nation manipulieren" können, merkte McFadden an. Er habe allerdings damit zu kämpfen gehabt, "seine Frau zu lenken, die auf der anderen Seite solch einen Einfluss auf ihn hatte".

In Haft gestorben
Milosevic stand in Den Haag wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Balkankriege in den 1990er-Jahren vor Gericht. Am 14. März 2006 starb er in der Haft an einem Herzinfarkt.

Herzprobleme
Die US-Depesche schildert ausführlich Milosevic' Gesundheitszustand. Seine Herzprobleme seien "ernst und nicht einfach durch Medikamente zu kontrollieren". McFadden beschrieb Milosevic dem US-Dokument zufolge als von sich eingenommene "narzistische" Persönlichkeit, die sich "von Dummköpfen umgeben" gewähnt habe. Der Serbe habe aber daran geglaubt, seinen Prozess zu gewinnen und daraus Kraft geschöpft. Die Depesche warnte aber davor, dass die Fortsetzung des Prozesses "eine Verschlechterung seiner Gesundheit auslösen" könne.

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