Zehntausende Studenten auf der Straße

Demos in Deutschland

© Reuters

Zehntausende Studenten auf der Straße

So schnell scheint den Studentenprotesten in Österreich nicht die Luft auszugehen: Genau vier Wochen nach Beginn der Besetzung der Aula der Akademie der Bildenden Künste sind am Weltstudententag am Dienstag erneut Hunderte Demonstranten für mehr Geld für Bildung auf die Straße gegangen. Rückenwind erhielt der heimische Protest durch den Internationalen Studententag, zu dem das "International Student Movement" zu weltweiten Protestaktionen aufgerufen hat und an dem Studenten von Bangladesh über Ungarn bis Sierra Leone teilnehmen sollen.

"Flächenbrand losgetreten"
"Wir haben einen Flächenbrand losgetreten, gestern waren 40 Unis in ganz Europa besetzt", verkündete ein Redner bei der Protestaktion in Wien vor dem Sitz der Industriellenvereinigung unter Beifall von rund 800 Teilnehmern. Kritik setzte es an der Industrie für deren "mangelndes" Demokratieverständnis: Mit ihrer Forderung nach stärkerer Ausrichtung der Unis auf Bedürfnisse der Wirtschaft habe diese den von den Protestierenden scharf kritisierten Bologna-Prozess ausgelöst.

"Grazer Freiheitsstatue"
Deutlich aktionistischer wurde der Aktionstag in einigen anderen Bundesländern begangen: Studierende der TU Graz haben der "Grazer Freiheitsstatue" neben dem Opernhaus eine "Krawatte" mit der Aufschrift "Bildung" umgehängt. Die Besetzer der Vorklinik-Hörsäle der Uni Graz machten am Nachmittag in der Innenstadt mit einer "ProfessorInnenversteigerung" ironisch auf den "Bildungsausverkauf" aufmerksam, "Halbpreisstudenten" sollten die prekäre Situation vieler Studierender aufzeigen.

Symbolisches Wettpaddeln
In Linz wurde auf dem Teich der Johannes Kepler Universität ein symbolisches Wettpaddeln um einen Master-Studienplatz veranstaltet, rund 40 Personen verfolgten die Aktion. Innsbruck wurde von protestierenden Studenten zur "Walzerstadt" erklärt, rund 250 Studenten tanzten nach dem Motto "Wir tanzen nicht nach eurer Pfeife" von der Hauptuniversität durch die Stadt zur Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (Sowi).

Ab 13 Uhr waren alle Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen dazu aufgerufen, Vollversammlungen abzuhalten. In Wien dürften die Veranstaltungen laut Berichten von Teilnehmern auf reges Interesse gestoßen sein. So seien etwa zur Versammlung des Instituts für Geografie der Uni Wien mehr als 200 Personen gekommen, darunter "viele Lehrende", so ein Student.

85.000 Demonstranten in Deutschland
In Deutschland haben anlässlich des Weltstudententags mehr als 85.000 Schüler und Studenten bei Aktionen in rund 50 Städten bessere Bildungschancen verlangt. Protestmärsche gab es unter anderem in Berlin, hier waren es nach Angaben des Streikbündnisses bis zu 13.000 Teilnehmer. In München protestierten rund 7.000 Studenten. Die Veranstalter bezeichneten den Aktionstag als Auftakt zu einem "heißen Herbst des bundesweiten Bildungsstreiks": Von 30. November bis zum 6. Dezember soll eine Aktionswoche stattfinden, bei der Kultusministerkonferenz in Bonn am 10. Dezember wollen die Streikenden die Zufahrtsstraßen blockieren. Seit Tagen halten Studenten in mehr als 20 deutschen Universitäten Hörsäle besetzt. Neben Kritik an den Bachelor- und Masterstudiengängen verlangen sie bessere Lernbedingungen, mehr Mitbestimmung und die Abschaffung von Studiengebühren. (Internet: http://www.bildungsstreik2009.de)

Auch in Italien demonstrierten am Dienstag Tausende Schüler und Studenten in zahlreichen Städten gegen eine geplanten Universitätsreform und Sparmaßnahmen im Bildungsbereich. Eine umstrittene Reform von Bildungsministerin Mariastella Gelmini sieht bis Oktober 2011 die Kürzung von 130.000 Stellen an Schulen und Universitäten vor.

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