Zwei Verdächtige wieder auf freiem Fuß

Politkowskaja-Mord

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Zwei Verdächtige wieder auf freiem Fuß

Zudem stehe die Festnahme eines Agenten des Inlandsgeheimdienstes FSB nicht im Zusammenhang mit der Ermordung der regierungskritischen Journalistin, teilte das Moskauer Militärgericht mit. Ein vierter Verdächtiger sei zur Tatzeit im Gefängnis gewesen, berichtete die Zeitung "Kommersant".

Gedenkmarsch
Die Nachrichtenagentur Interfax meldete am Donnerstag unter Berufung auf Ermittlerkreise, Alexej Berkin und Oleg Alimow seien bereits vor einigen Tagen freigelassen worden. Oppositionsführer, Menschenrechtler und Journalisten versammelten sich unterdessen in Moskau zu einem Gedenkmarsch: Politkowskaja wäre am Donnerstag 49 Jahre alt geworden. Zwischen 200 und 300 Menschen wollten am Abend vom Zentrum bis zu dem Haus marschieren, in dem die Reporterin im Oktober 2006 erschossen worden war.

Auftragsmorde
Im Anschluss an die Festnahmen hatte Generalstaatsanwalt Juri Tschaika am Montag erklärt, ein gebürtiger Tschetschene sei Drahtzieher des Mordes gewesen. Mitglieder eines auf Auftragsmorde spezialisierten Verbrecherrings seien von einer im Ausland lebenden Person mit dem Mord beauftragt worden sein, um die Regierung von Präsident Wladimir Putin, der die Knebelung freier Medien vorgeworfen wird, zu kompromittieren.

Nächste Seite: Skepsis bei der russischen Presse

Diese Angaben waren bei der russischen Presse umgehend auf Skepsis gestoßen. Unabhängige Menschenrechtsorganisationen und die Redakteure von Politkowskajas Zeitung "Nowaja Gaseta" vermuten, dass die Regierung die wahren Hintergründe und die Auftraggeber der Tat verschleiern will.

Russlands Generalstaatsanwalt Tschaika hatte am Montag vor Journalisten verkündet, der Mord an der regierungskritischen Journalistin sei praktisch aufgeklärt und von der Festnahme von fast einem Dutzend Verdächtiger gesprochen.

"Die Verdächtigen verschwinden aus der Mordaffäre Anna Politkowskaja", schrieb am Donnerstag die Tageszeitung "Kommersant", die ebenfalls berichtete, Berkin sei bereits wieder aus dem Gefängnis entlassen worden. Einer der "Statisten" der Angelegenheit sei ebenfalls freigelassen worden, ein weiterer habe ein felsenfestes Alibi, da er zur Tatzeit im Gefängnis gesessen sei. Ein Dritter sei ohnehin nicht im Zusammenhang mit Politkowskaja verhaftet worden, kritisierte das Blatt. Auch die "Nowaja Gaseta", für die die ermordete Journalistin geschrieben hatte, berichtete am Donnerstag, die von Tschaika aufgelisteten Verdächtigen hätten nicht alle etwas mit der Mordaffäre zu tun.

Politkowskaja war im Oktober des Vorjahres vor ihrer Wohnung in Moskau von Unbekannten erschossen worden. Sie war eine von wenigen unabhängigen und regierungskritischen Journalisten Russlands und hatte wiederholt über Menschenrechtsverstöße in Tschetschenien sowie Korruption bei den russischen Behörden berichtet. Die russischen Behörden waren wegen schleppender Ermittlungen auch aus dem Ausland kritisiert worden.

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