Die Soldaten hoffen jetzt auf raschen Abzug

Wahlversprechen

Die Soldaten hoffen jetzt auf raschen Abzug

"Er wird uns hier rausholen"
Das Frühstück stand in Bagdad schon auf den Tischen, als am frühen Mittwochmorgen das Ergebnis der US-Präsidentenwahl eintrudelte. Gebannt richteten sich die Blicke auf die Bildschirme im Speisesaal der "Forward Operating Base Prosperity", einem Militärstützpunkt im Zentrum der irakischen Hauptstadt. Vereinzelt wurde gejubelt, als Barack Obama als Sieger feststand. Doch die meisten Soldaten, von denen nicht wenige den unterlegenen Kandidaten John McCain bevorzugten, blieben ruhig. Sie hoffen, dass ihr künftiger Oberbefehlshaber sein Versprechen hält und sie rasch abzieht - ohne jedoch etwas zu überstürzen.

"Welcher Soldat würde schon sagen, er will nicht nach Hause? Ich habe eine Frau und vier Kinder. Ich will nach Hause. Aber wir wollen sicher sein, dass die Freunde, die wir hier verloren haben, nicht umsonst gefallen sind", sagte Hauptmann Ryan Morrison. "Wir müssen mit Verantwortung abziehen." Er habe das Gefühl, dass Obama dies tun werde.

"Ich bin aufgeregt. Er wird Präsident und er wird uns hier rausholen", sagte Unteroffizier Norman Brown begeistert. "Wenn McCain gewonnen hätte, würden wir hier noch Jahre bleiben, und ich meine viele Jahre. Und ich glaube, selbst die Menschen hier wollen nicht, dass wir da sind."

Kann Obama seine Versprechen halten?
Obama hat im Wahlkampf versprochen, US-Kampftruppen innerhalb von 16 Monaten nach Amtsantritt im Jänner abzuziehen. Der Vietnam-Veteran McCain wollte sich hingegen auf keinen Zeitplan festlegen. Als Obama seinen Vorschlag vor einem Jahr erstmals machte, schien dieser gewagt, doch mittlerweile stimmt der Zeitplan auch weitgehend mit der Einschätzung der irakischen Regierung überein. Immer mehr Iraker hoffen angesichts der rückläufigen Gewalt ebenfalls, dass die mehr als 150.000 US-Soldaten den Golfstaat bald verlassen können. "Ich als Iraker bitte Obama, sein Versprechen zu halten und die US-Sicherheitskräfte aus unserem Land abzuziehen", sagte der Bagdader Journalist Baki Nakid. "Wir brauchen keine Besatzung."

Gleichwohl fürchten viele Iraker einen zu hastigen Abzug der Amerikaner. Der US-Präsident müsse sich sehr genau ansehen, wie die Lage sei, sagte Außenminister Hoshiyar Zebari. "Die Situation ist komplex, sie ist schwierig." Er denke aber, dass dies Obama bewusst sei. Die USA sollten erst abrücken, wenn "es 100 Prozent Sicherheit gibt", sagte die 58-jährige Hausfrau Um Saba.

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