Obama und McCain stritten im TV über Finanzkrise

90-minütige Debatte

 

Obama und McCain stritten im TV über Finanzkrise

Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama hat sich bei der zweiten TV-Debatte gegen seinen republikanischen Konkurrenten John McCain nach Meinung von Beobachtern weitgehend durchsetzen können. Die beiden Kandidaten lieferten sich am Dienstagabend (Ortszeit) einen hitzigen Schlagabtausch über die weltweite Finanzkrise und die amerikanische Außenpolitik. Vier Wochen vor der US-Wahl vermieden beide in dem mit Spannung erwarteten Rededuell aber eine Schlammschlacht und verzichteten anders als in den vergangenen Tagen auf persönliche Angriffe.

Laut einer CNN-Blitzumfrage sahen 54 Prozent der Zuschauer des TV-Duells in Nashville (Bundesstaat Tennessee) nach dem Duell Obama vorn. Nur 30 Prozent meinten, der Republikaner McCain sei der Sieger. Eine Umfrage des konservativen Senders Fox News ergab dagegen Vorteile für den Republikaner. Die meisten TV-Kommentatoren bezeichneten Obama als den Gewinner der mit Spannung erwarteten Debatte.

Finanzkrise dominantes Thema
Das 90-minütige TV-Duell stand weitgehend im Zeichen der schweren US-Finanzkrise. Obama sagte, die "schlimmste Finanzkrise seit 1929" sei das "endgültige Urteil über die verfehlte Wirtschaftspolitik der vergangenen acht Jahre", die McCain unterstützt habe. Der Senator aus Illinois erinnerte daran, dass sich sein republikanischer Rivale jahrelang für die Deregulierung der Finanzmärkte eingesetzt habe. Obama erneuerte sein Versprechen, mit Steuererleichterungen vor allem den unteren und mittleren Einkommensgruppen helfen zu wollen.

Der gegen sinkende Umfragewerte kämpfende McCain schlug ein Hilfsprogramm im Umfang von 300 Milliarden Dollar (220 Mrd. Euro) vor, mit dem die Regierung die faulen Hypotheken privater Hausbesitzer aufkaufen solle. Damit sollten die Menschen vor dem Verlust ihrer Häuser bewahrt werden. Anschließend sollten die aufgekauften Hypotheken festverzinst werden, sagte der Republikaner. "Das ist mein Vorschlag, nicht der von Senator Obama und nicht der von Präsident (George W.) Bush", sagte der Senator von Arizona mit Blick auf die schwierige Aufgabe, die Wähler trotz der großen Unzufriedenheit mit dem amtierenden Präsidenten erneut für einen republikanischen Kandidaten zu gewinnen.

Streit um Außenpolitik
Auch beim Thema Außenpolitik gerieten beide Kandidaten aneinander. Mit Blick auf den Irak-Krieg erklärte Obama, dieser koste die USA jeden Monat zehn Milliarden Dollar, Geld, das dringend für die Sanierung des Finanzsystems gebraucht würde. McCain warf Obama vor, der von diesem geplante Rückzug aus dem Irak komme einer Niederlage gleich. Obama stellte McCains Seriosität in der Außenpolitik infrage und erinnerte ihn daran, dass dieser im vergangenen Jahr öffentlich gesungen habe: "Bomb, bomb, bomb Iran". Beide Kandidaten versicherten aber, sie würden als Präsident mit allen Mitteln verhindern wollen, dass der Iran eine Nuklearmacht wird.

McCain stand bei der 90-minütigen Debatte besonders unter Zugzwang, nachdem er in den vergangenen Tagen in Umfragen deutlich hinter seinen demokratischen Rivalen zurückgefallen war. Eine Erhebung des Gallup-Instituts vom Dienstag zeigte einen Vorsprung von neun Punkten für Obama.

Das TV-Duell war als Forum angelegt, in dem die Kandidaten Fragen aus dem Publikum im Saal sowie von Internet-Nutzern beantworteten. Beim ersten TV-Duell Ende September hatten Beobachter keinen der Kandidaten als Sieger gesehen; die anschließend befragten Zuschauer sahen jedoch mehrheitlich Obama als Gewinner. Das dritte und letzte Fernsehduell soll am 15. Oktober stattfinden. Die USA wählen am 4. November einen neuen Präsidenten.

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