24. April 2008 10:32

Wegen Finanzkrise 

1,5 Mrd. Euro Belastung für Österreichs Banken

Laut der Finanzmarktaufsicht belastet die Finanzkrise Österreichs Banken mit maximal 1,5 Mrd. Euro. Mehr Transparenz wäre nötig.

1,5 Mrd. Euro Belastung für Österreichs Banken

Die weltweite Finanzkrise belastet die österreichischen Banken nach den jüngsten Erhebungen der Finanzmarktaufsicht (FMA) derzeit mit "maximal 1,5 Mrd. Euro". In diesem Ausmaß haben die Banken insgesamt einen Wertberichtigungsbedarf aus strukturierten Krediten, teilten die beiden FMA-Vorstände Helmut Ettl und Kurt Pribil am Mittwochabend bei einem Hintergrundgespräch mit Journalisten in Wien mit. Bei den Versicherungen und Pensionskassen sei der Wertberichtigungsbedarf deutlich geringer.

Maximalwerte
Die Versicherungen haben laut FMA insgesamt ein Exposure an Asset Backed Securities (ABS) von 2 Mrd. Euro, das sind 2,5 Prozent ihrer gesamten Assets. Fast alles davon sei nicht "subprime" sondern "investmentgrade". "Da kann man noch nicht von einem Abschreibungsbedarf sprechen", meinte Pribil. Die Pensionskassen haben ein noch geringeres ABS-Exposure von 33 Mio. Euro bzw. 0,3 Prozent ihrer Veranlagungen. Auch hier seien wieder Triple-A geratete Produkte enthalten. "Das sind die Maximalwerte", so Pribil.

Eine der wichtigsten Lehren aus der Finanzkrise und ihren Ursachen sei, dass "Transparenz" eine ganz entscheidende Sache ist, so der seit Mitte Februar neue FMA-Vorstand Helmut Ettl. In der FMA habe er ein wunderbares Team und erstklassige Mitarbeiter vorgefunden, so Ettl zu seinen ersten Eindrücken in der Aufsichtsbehörde.

Falsche Preisfestlegungen
In den verschiedensten Geschäftsfeldern sei es zu falschen Preisfestlegungen und anderen "sehr seltsamen" Entwicklungen gekommen. In Zukunft müssten für neue strukturierte Produkte allgemein anerkannte Standards entwickelt werden. Bei neuen Produkten müssten alle - und vor allem die Aufseher - sehr skeptisch sein und diese ganz genau hinterfragen.

Einen weiteren Grund für die Krise sieht Ettl darin, dass die Basel II-Regulierungen - die in Europa erst ab 2008 und in den USA bis heute noch nicht in Kraft getreten sind - zu spät gekommen sind. Mit Basel II wären etwa die Möglichkeiten der "Aufsichtsabitrage" (das Ausnutzen von regulatorischen Unterschieden für ähnliche Produkte), die hier auch dahinter stünden, zumindest gemildert worden.

Bedarf einer europäischen Regelung
Strukturen, die sich außerhalb der Bilanz entwickeln, müssten von der Aufsicht sehr genau angesehen werden. Es werde einer europäischen Regelung bedürfen, damit man diese sogenannten Conduits nicht in der Form konstruieren und außerhalb der Bilanz führen kann. "Wir haben ja schon von der BAWAG gelernt", so Ettl.

Die nächste Lehre im Zusammenhang mit der Finanzkrise müssten die internationalen Aufsichtsbehörden aus dem eingetretenen allgemeinen "Liquiditätsschock" ziehen. So etwas habe seit 1945 noch nie stattgefunden und sei von den Aufsichtsbehörden nicht erwartet worden. "Das ist neu", sagte Ettl. Bisher sei man bloß davon ausgegangen, die allgemeinen Märkte funktionieren und ein Teilnehmer hat Schwierigkeiten. Nunmehr müsste man sich die Notfallspläne im Falle einer allgemeinen Liquiditätskrise neu ansehen.

Im Bereich der internationalen Kooperation gehe die FMA jetzt den Weg, mit den Aufsehern entlang der Bankengruppe zu arbeiten. Die Aufgabe der FMA als Beaufsichtiger der Muttergesellschaft sei es dabei, diesen Prozess zu organisieren. "Das sind jetzt die ganz wichtigen Dinge, die man angehen muss", so Ettl.




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