04. November 2009 11:15

Sanierung 

10.000 Opel-Arbeitsplätze fallen weg

Betriebsräte und Gewerkschaften rufen Opel-Mitarbeiter zu Warnstreiks ab Donnerstag auf.

10.000 Opel-Arbeitsplätze fallen weg
© DPA

Nach der überraschenden Absage des Opel-Verkaufs wächst in den Werken die Angst vor Kündigungen und dem Aus für Opel. Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sieht die Opel-Standorte in Bochum, Kaiserslautern und Antwerpen "akut gefährdet". Den Plan der Mutter General Motors (GM), Opel zu behalten und aus eigener Kraft zu sanieren, halten Autoexperten sowie Betriebsräte für unrealistisch. Werkschließungen und Massenkündigungen würden die Folge sein, lauten die Befürchtungen am Mittwoch. Zugleich wächst die Kritik an der deutschen Regierung, die sich schon sehr früh auf den Zulieferer Magna als Käufer festgelegt hatte.

GM-Vize-Chef John Smith am Mittwoch hat am Mittwoch die Befürchtungen bestätigt: Etwa 10.000 der 50.000 Opel-Arbeitsplätze werden gestrichen.

Die Chronologie des geplatzten Opel-Deals!

Betriebsrat
Der Betriebsrat sieht die deutsche Regierung weiter in der Pflicht, Opel mit Geldern zu unterstützen. "Ich glaube, aus dieser Zusage kann die Bundesregierung nicht heraus. Und ich glaube, das darf sie auch nicht", sagte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel im WDR-5-Morgenecho. Bund und Länder wollten die Sanierung von Opel mit insgesamt 4,5 Mrd. Euro Staatshilfen fördern. In Deutschland hat Opel vier Standorte mit insgesamt etwas mehr als 25.500 Beschäftigten, europaweit sind es 54.797 Mitarbeiter.

Europaweite Warnstreiks
Aus Protest gegen den abgesagten Verkauf von Opel rufen Betriebsräte und Gewerkschaften die Opel-Mitarbeiter von diesem Donnerstag an zu Warnstreiks auf. "Die Veranstaltungen beginnen in Deutschland und werden sich auf ganz Europa ausdehnen", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz.

Wien-Aspern
Der geplatzte Opel-Verkauf ist für die Beschäftigen in Wien-Aspern besonders schlimm, denn sie wissen nicht wie es weiter geht, so der Chef der Metallergewerkschaft Rainer Wimmer. Wie die genauen Inhalte der GM-Pläne ausschauen sei noch unbekannt. Experten rechnen aber damit, dass die Österreich-Niederlassung in Wien-Aspern nicht geschlossen wird. Einsparungen werden aber erwartet. Jetzt heißt es bei den Verhandlungen "zurück zum Start". Man müsse wieder bei Stand Null anfangen. Wichtig sei, dass der Standort und Mitarbeiter erhalten bleiben.

Die 1.800 Opel-Mitarbeiter in Aspern hätten bei einem Verkauf an Magna zur Sanierung 10,6 Mio. Euro beitragen sollen. Überlegt wurde dabei neben individuellen Gehaltsverzichten die erst zu vereinbarende Erhöhung der Kollektivvertragslöhne- und Gehälter nicht wirksam werden zu lassen. Bis zuletzt dürften alle Beteiligungen an den Magna/Deal geglaubt haben, denn noch gestern wurden Briefe auf Magna-Papier verschickt.

1,5 Mrd. zurück
General Motors ist bereit, Deutschland den staatlichen Kredit von 1,5 Mrd. Euro abzulösen. "Wenn wir gefragt würden, wird GM die fragliche Brückenfinanzierung zurückzahlen", sagte eine Sprecherin von General Motors Europa. Das entsprechende Darlehen wird am 30. November fällig.

Bund und Länder in Deutschland hatten die Brückenfinanzierung Anfang Juni bereitgestellt, um Opel über die folgenden Monate zu helfen. Der staatlich verbürgte Kredit sollte die Liquidität von Opel absichern, während Magna und GM über den Verkauf der Anteilsmehrheit miteinander verhandelten.

Schwarze Zukunft
Für die Zukunft von Opel sehen Experten schwarz. Von einem "langsamen Sterben in den nächsten Jahren" sprach der Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer. "Das ist eine Entscheidung, bei der General Motors mit dem höchst denkbaren Risiko in die Zukunft geht", erklärte er weiters. "Diese Entscheidung hat, glaube ich, jeden überrascht." Für Opel sei ein Verbleib bei GM "sehr, sehr schlecht". Dudenhöffer schließt nicht aus, dass Opel keine Zukunft mehr hat. "Bei einer Insolvenz wären Werksschließungen in Bochum, Kaiserslautern, Antwerpen und Eisenach ein denkbares Szenario."

Die Opel-Mutter General Motors hatte in der Nacht zum Mittwoch den geplanten Verkauf an den Zulieferer Magna überraschend abgesagt. Der US-Mutterkonzern will das Europa-Geschäft rund um Opel nun selbst sanieren und unter anderem der deutschen Bundesregierung einen Plan dafür vorlegen. Die Kosten der Restrukturierung bezifferte GM-Chef Fritz Henderson auf 3 Mrd. Euro.

Konfrontation
Der Betriebsrat geht unterdessen auf Konfrontationskurs zum Mutterkonzern. Es werde keinen Beitrag der Beschäftigten zur Sanierung von Opel geben, teilte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz in Rüsselsheim mit. Der Betriebsrat verlangt die sofortige Auszahlung von gestundeten Tariferhöhungen und hat seine Zusage zurückgenommen, dass die Belegschaft durch den Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld insgesamt 265 Mio. Euro jährlich einsparen könnte.




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