19. Mai 2009 12:24

Immofinanz-Anklage 

100 Mio. Euro für fingierte Leistungen

Die Anklageschrift untersucht Scheinrechnungen und überteuerte Käufe. Die Ermittlungen richten sich gegen gut ein Dutzend Manager, unter anderem auch gegen den früheren Chef der Immofinanz.

100 Mio. Euro für fingierte Leistungen
© APA

Überteuerte Käufe, Maximierung der Management-Gebühren und fingierte Rechnungen für nicht erbrachte Leistungen - die Anklageschrift in der Anlegeraffäre rund um Immofinanz/Immoeast zeichnet ein Sittenbild aus den Zeiten des billigen Geldes. Nach Aussagen eines Top-Finanzers der Constantia Privatbank (CPB AG) sind in den vergangenen fünf Jahren von den Töchtern der Bank Leistungen im Wert von mehr als 100 Mio. Euro fingiert worden, schreibt das "WirtschaftsBlatt" unter Berufung auf Gerichtsakten.

Geld für keine Leistung
Töchter der CPB hätten der Immofinanzgruppe nachträglich Vermittlungsprovisionen in Rechnung gestellt, obwohl die Bank auf Basis des Managementvertrags ohnedies ein Entgelt bezogen hätte. Laut Aussage eines in der Zeitung zitierten Controlling-Mitarbeiters wurden systematisch derartige Provisionen in Rechnung gestellt, obwohl "meines Wissens dahinter keine Leistungen standen." In einem anderen Fall soll ein und dieselbe Leistung dreimal bezahlt worden sein.

Fehlinvestitionen
Für Liegenschaften seien "Maximalwerte" gezahlt worden, die "kein vernünftiger Käufer zu zahlen bereit gewesen wäre". Der 2006 erfolgte 25-Prozent-Einstieg der Immofinanz beim ungarischen Immobiliendeveloper TriGranit sei überhaupt die "größte singuläre Fehlinvestition" bei den Finanzbeteiligungen gewesen, urteilt der Chefbuchhalter in seiner Aussage vor dem Staatsanwalt. (Gezahlt wurden 2006 für TriGranit mehr als 400 Mio. Euro, Ende 2008 musste das neue Immofinanzmanagement 223 Mio. Euro davon abschreiben.)

Manager auf der Anklagebank
Im Strafverfahren rund um Immofinanz, Immoeast und Constantia Privatbank wird gegen gut ein Dutzend Manager ermittelt, unter anderen auch gegen den früheren Chef von CPB und Immofinanz, Karl Petrikovics, wegen Verdachts auf Betrug und Untreue. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Massiver Wertverlust
Die Immofinanz-Gruppe galt bis vor kurzem als das größte private österreichische Immobilienunternehmen in Österreich. Wegen des Anlegerskandals und der Immobilienkrise verfiel der Wert der breit an private Anleger gestreuten Unternehmen um zeitweise weit über 90 Prozent. Der Prozessfinanzierer Advofin bereitet gerade für 5.000 geschädigte Anleger eine Klage vor.




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