29. Jänner 2008 21:46

Lipizzaner-Debakel 

173.000 Euro Gage für Oberbereiter

Der Rechnungshof zerzaust die Spanische Hofreitschule gnadenlos und stellt fragewürdige Privilegien der Beamten fest.

173.000 Euro Gage für Oberbereiter
© EPA/ROLAND SCHLAGER

Was ÖSTERREICH-Leser schon seit Wochen aus Berichten über die Finanzlage der Spanischen Hofreitschule wissen, ist jetzt traurige Gewissheit: Am Dienstag wurde dem Parlament der Endbericht des Rechnungshofs über die Spanische Hofreitschule zugestellt – er fördert neue, haarsträubende Details zu Tage:

18,44 Millionen Verlust
Obwohl die Trägergesellschaft bei ihrer Ausgliederung am 1. Jänner 2001 mit 7,88 Millionen mehr Grundkapital ausgestattet wurde, als die Wirtschaftsprüfer empfohlen hatte, baute man bis Ende 2006 serienweise hohe Verluste: Bis Ende 2006 waren es 18,44 Millionen Euro. Der Grund laut Rechnungshof: Es dauerte stolze drei lange Jahre, bis ein Business-Plan vorlag – alle Budgets waren "unrealistisch“. Dazu verabschiedeten sich Ende 2006 zwei Großsponsoren unter Hinterlassung einer Beschwerde über schlechte Betreuung – Schaden: 660.000 Euro jährlich.

Restaurant-Pacht deckte nicht einmal Abschreibungskosten
Ins Restaurant im Gestüt Piber wurden 832.000 Euro gepumpt. Dann wurde es verpachtet – die Pachteinnahmen decken nicht einmal die Kosten der Abschreibung für die Investitionen.

Privilegienstadl
Bei den Gehältern und Goodies war man dagegen höchst erfolgreich – im Kassieren. So erhielt ein Geschäftsführer zwei Jahre lang Erfolgsprämien in beträchtlicher Höhe, ohne dass dafür irgendwelche Kriterien festgelegt worden wären. Sein Nachfolger erhielt 2005 eine Prämie für die Veräußerung eines Hauses – das freilich Ende 2006 noch immer im Besitz der Hofreitschule stand. Auch die Gagen der Bereiter waren durchaus lukrativ: Bereiter erhielten bis zu 121.000 Euro pro Jahr, Oberbereiter bis zu 173.000 Euro – inklusive „Individualzulage“ von bis zu 28.000 Euro und Tourneegeld von bis zu 60.000 Euro.

"Auslands-Auftritte" in Schönbrunn
Dieses, einst als Abgeltung für Auftritte im Ausland gedacht, wurde aber auch ausbezahlt, wenn man gerade ein paar Kilometer von der Winterreitschule entfernt, etwa im Schloss Schönbrunn, auftrat.

Angehörige auf Tourneen mitverköstigt
Bei echten Auslandsreisen fuhren dafür Angehörige auf Regimentskosten mit, bei Auftritten in der Winterreitschule hatten die Bereiter ein Gratiskarten-Kontingent zum Verschenken oder Weiterverkaufen. Mit einem Reitstallbetrieb, an dem ein Oberbereiter beteiligt war, wurde ein Einstellvertrag für zehn Pferde abgeschlossen – in vier Jahren kostete die Sache der Hofreitschule stolze 1,24 Millionen Euro, 679.000 Euro davon für Beamte der Hofreitschule, die dort die Pferde betreuten.

Neue Chefin will Rechnungshof-Vorgaben penibel umsetzen
Sacher-Lady Elisabeth Gürtler, neue Chefin der Hofreitschule, ist schockiert: "Ich werde die Rechnungshof-Vorgaben jetzt penibel umsetzen.“ Dazu gehören auch Gehaltseinbußen für die Herren Bereiter.

(gaj)




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