02. September 2009 20:10

Alarm beim Jobmarkt 

300.000 ohne Arbeit - wer jetzt zittert

Die Arbeitslosigkeit ist im August um dramatische 30 Prozent gestiegen. Die Industrie und die Baubranche sind weiterhin massiv betroffen.

300.000 ohne Arbeit - wer jetzt zittert
© APA/dpa

Fast 300.000 Menschen haben in Österreich keinen Job: Exakt 238.803 Menschen sind beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldet, 57.694 sind zudem in Schulungen. Damit ist die Arbeitslosigkeit auch im August wieder um rund 30 Prozent im Vergleich zu 2008 gestiegen. 2010 wird es mehr als 300.000 Arbeitslose geben.

Besonders die Bereiche Produktion, Bauwesen und Zeitarbeit sind betroffen. Um rekordverdächtige 75 Prozent nahm die Arbeitslosigkeit in der Sachgüterproduktion zu. Auch im bisher eher verschonten Tourismus und im Handel stieg die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich um 24 bzw. 25 Prozent an.

Um 40 Prozent mehr arbeitslose Männer
Besonders viele Männer haben ihren Job verloren: Im August stieg die Arbeitslosigkeit explosionsartig um 40 Prozent. In absoluten Zahlen: 129.369 Männer sind arbeitslos. Die Frauenarbeitslosigkeit stieg zwar „nur“ um 20 Prozent, doch immerhin 109.434 Frauen sind derzeit auf der Suche nach Beschäftigung. Das Nachsehen hat derzeit auch die Jugend: 41.250 Jugendliche finden keine Arbeit. Das bedeutet einen Anstieg von rund 30 Prozent.

Arbeitsmarkt erholt sich noch länger nicht
Besonders Bauarbeiter und Kfz-Mechaniker müssen auch weiterhin um ihre Jobs zittern. „Wir gehen davon aus, dass die Arbeitslosenzahlen im nächsten Jahr weiter steigen werden, auch wenn es nun zu einer wirtschaftlichen Stabilisierung kommt“, erklärt Experte Ulrich Schuh vom Institut für Höhere Studien (IHS). Bei einem Aufschwung hinke der Arbeitsmarkt erfahrungsgemäß einige Zeit nach. Deshalb werde die Bevölkerung die Wirtschaftskrise noch „eine geraume Zeit“ spüren, meint IHS-Experte Schuh. Bald werden auch Dienstleistungsbereiche wie der Handel und der Tourismus die Auswirkungen der Krise noch stärker spüren. Denn: Immer mehr Arbeitslose kaufen immer weniger ein und können sich auch immer weniger einen Urlaub leisten.

Lehrer und Krankenpfleger blieben bisher verschont
Keine großen Sorgen mussten sich bisher Lehrer oder Krankenpfleger machen: Der Bildungs- und Gesundheitsbereich gilt bei Wirtschaftsexperten als „krisenfest“. Im Gesundheitsbereich – bei Ärzten und Pflegern – gibt es sogar einen Zuwachs an Jobs. Bis jetzt zumindest. Denn: „Erfahrungsgemäß ist es so, dass natürlich auch diese Sektoren mit erheblicher Zeitverzögerung in Mitleidenschaft gezogen werden. Denn sie sind stark von staatlichen Ausgaben abhängig“, erklärt Schuh. Der Staat wird seinen defizitären Haushalt bald konsolidieren müssen.

Und Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) wird nicht müde, zu betonen, dass der Sparstift vor allem bei den Staatsausgaben angesetzt wird und keine neuen Steuern eingeführt werden sollen.




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