23. Juli 2008 17:03

Konkursantrag 

300 Arbeitsplätze bei Hämmerle wackeln

Dem Dornbirner Textilunternehmen F.M.Hämmerle Textilwerke GmbH & Co KG droht offenbar eine Insolvenz. 300 Stellen wackeln.

300 Arbeitsplätze bei Hämmerle wackeln
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Das Dornbirner Traditionsunternehmen "F.M. Hämmerle Textilwerke GmbH & Co KG" wird am Landesgericht Feldkirch so rasch wie möglich einen Konkursantrag einbringen. Es gebe zum jetzigen Zeitpunkt keine andere Lösung, erklärte Geschäftsführer Josef Hahnl am Mittwochabend. Von der bevorstehenden Insolvenz sind 294 Mitarbeiter betroffen.

"Wir haben derzeit im Vergleich zum Vorjahr einen um 50 Prozent geringeren Auftragseingang. Hier muss ich als Geschäftsführer leider handeln und selbst den Konkursantrag einbringen", sagte Hahnl. Der Geschäftsführer war am Mittwoch nicht erreichbar. Bei einem Umsatz von etwa 27 bis 28 Mio. Euro wurde im vergangenen Jahr laut ORF Vorarlberg ein Verlust von 1,44 Mio. Euro geschrieben.

Liegenschaft Dornbirn nicht betroffen
Von der anstehenden Insolvenz ist laut Hahnl die Liegenschaft von F.M. Hämmerle in Dornbirn nicht betroffen, da sie einer anderen Gesellschaft gehöre. Auch nicht unmittelbar betroffen sei das Joint Venture mit dem indischen Partnerunternehmen Vardhman. Eine Zukunftsprognose - etwa ob ein Zwangsausgleich mit Fortführung angestrebt wird - wollte Hahnl nicht abgeben. Viel hänge vom Masseverwalter ab. "Ich weiß nicht, ob der dann weitermachen wird. Aber es gibt noch Aufträge. Ironischerweise genau heute haben wir einen Auftrag über 80.000 Laufmeter Stoff erhalten", sagte Hahnl, der die Geschäftsführung des Unternehmens im Februar 2000 als Sanierer übernommen hatte. Bereits damals war das einstmals größte Vorarlberger Unternehmen von der Pleite bedroht gewesen. Noch 1986 war F.M. Hämmerle mit 2.200 Mitarbeitern das größte Textilunternehmen Österreichs, ehe zum Ende der 1980er-Jahre die Schwierigkeiten begannen.

Die Beschäftigten wurden am Mittwochnachmittag in einer Betriebsinformation über die schwierige Lage des Unternehmens in Kenntnis gesetzt, teilte die Arbeiterkammer mit. Die 140 Angestellten hätten bis auf wenige Ausnahmen kein Urlaubsgeld erhalten, ein Teil der am 15. Juli fällig gewordenen Löhne der 160 Arbeiter sei ebenfalls nicht ausbezahlt worden, hieß es. Die Chancen der Arbeiter auf dem Arbeitsmarkt beurteilte AK-Präsident Hubert Hämmerle insofern schlecht, als ihr Altersdurchschnitt bei rund 50 Jahren liege.

Arbeitsstiftung
Aus dem Büro von Landeshauptmann Herbert Sausgruber (V) verlautete am Nachmittag, man habe umgehend mit dem AMS Kontakt aufgenommen, eine Arbeitsstiftung werde eingerichtet, sollte der schlimmste Fall eintreten. Sausgruber sicherte den Betroffenen seitens des Landes rasche Hilfe zu. Die AK kündigte an, dass ihre Rechtsexperten den ganzen Sommer zur Betreuung zur Verfügung stehen werden.

F.M. Hämmerle wurde im Jahr 1836 gegründet und zählt zu den traditionsreichsten Unternehmen Vorarlbergs. Das Unternehmen ist in den Bereichen Garnfärberei, Weberei und Texilveredelung tätig, produziert Bettwäsche und Berufskleidung. In den vergangenen Jahren mussten in Vorarlberg eine lange Reihe von Textilpleiten zur Kenntnis genommen werden, zuletzt war 2007 die Wirkwarenfabrik Wolff GmbH mit 320 Mitarbeitern in Hard (Bezirk Bregenz) und 26 Mio. Euro Passiva betroffen. Auch der bisher größte Konkurs in Vorarlberg ging auf das Konto einer Textilfirma: Die Benedikt Mäser Textilwerke KG in Dornbirn ging im Jahr 1991 mit Passiva von 91 Mio. Euro in die Pleite.




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