03. April 2008 12:22

Experten warnen 

400.000 Autos durch mehr Biosprit gefährdet

Autofahrer-Clubs fordern nach deutschem Vorbild den Verzicht auf die geplante Erhöhung von Biosprit auf 10 % mit Verweis auf Schädigung für Umwelt und Fahrzeuge.

400.000 Autos durch mehr Biosprit gefährdet
400.000 Autos durch mehr Biosprit gefährdet

Österreichische Autofahrerclubs fordern ein Überdenken der Biosprit-Politik in Österreich und verweisten auf Deutschland. Wie bekannt wurde, verzichtet die deutsche Regierung darauf, einen Anteil von zehn Prozent Biosprit am Benzin vorzuschreiben. Bisher werden, wie bei uns, fünf Prozent beigemischt.

VCÖ fordert Überdenken des Biosprits
Österreich möchte heuer noch 5,75 Prozent des Benzinbedarfs mit Agrartreibstoffen abdecken und im Jahr 2010 zehn Prozent. Auf Grund der Diskussionen in Deutschland schlägt der VCÖ vor, das Ziel von zehn Prozent für das Jahr 2010 zu verschieben (Die EU schreibt für das Jahr 2020 diese zehn Prozent vor", so VCÖ-Sprecher Christian Gratzer). Eine sofortige Kehrtwende in der österreichischen Biotreibstoff-Politik fordert auch die AK.

Bauernbund für höheren Biosprit-Anteil
Der Bauernbund hat sich hingegen für einen höheren Beimischungsgrad ausgesprochen. Die Landwirtschaft erhofft sich durch die Energiepflanzen ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein.

Bioethnol ruiniert Autos
Der deutsche Autofahrerclub ADAC befürchtet, dass Bioethanol Dichtungen und Leitungen aus Kunststoff beschädigt. Außerdem ist die Herstellung des Biosprits für die Umwelt schädigend - er wird zu fast 20 Prozent aus Sojaöl gewonnen. Die dafür verwendeten Sojabohnen würden vor allem in Südamerika angebaut, wo für neue Plantagen riesige Urwaldgebiete gerodet würden.

Bis hin zum Motorschaden
Wie aus der Autobranche verlautete, wäre das Benzin mit einem höheren Anteil von Sprit aus Pflanzen für 400.000 Autos in Österreich ein Problem. Den Autofahrern bliebe allenfalls noch die Möglichkeit, dass sie auf das teurere Super plus ausweichen. Experten befürchten, dass Bioethanol Dichtungen und Leitungen aus Kunststoff beschädigt. Besonders problematisch ist das im Sprit enthaltene Ethanol für unbeschichtete Treibstoffleitungen aus Aluminium: Hier können sich Metallspäne lösen, die - sollten sie in den Motorraum gespühlt werden - sogar einen kapitalen Motorschaden verursachen können. Auch "testweise" sollte man bei nicht freigegebenen Automodellen keinesfalls Biosprit tanken: Schon ein einziger Tankvorgang kann an Aluminiumteilen einen Korosionsprozess in Gang setzen, der danach so gut wie nicht mehr zu stoppen ist.

400.000 Autos in Österreich ungeeignet
Sollte der Anteil von Superethanol im Benzin von derzeit rund 5 auf 10 Prozent erhöht werden, müssten in Österreich 400.000 Autos künftig mit dem teuren Super Plus betankt werden, rechnete der ARBÖ vor - eine so große Anzahl von Autos ist technisch nicht für E10-Biosprit gerüstet. Schon jetzt habe die Beimischung von biogenen Treibstoffen die Autofahrer zusätzlich 2 Cent je Liter gekostet, so ARBÖ-Sprecherin Lydia Ninz. Dabei sei der ökologische Nutzen mehr als fraglich. Der ARBÖ verwies unter anderem auf den Einsatz von Gentechnik bei importierten Energiepflanzen.

Der Automobilclub fordert von der Regierung, dass ein Nachweis über die Nachhaltigkeit des Biospriteinsatzes erbracht wird. Und dass die Autoindustrie die Unbedenklichkeit von Biobenzin in Fahrzeugmotoren bescheinigt, bevor über eine Aufstockung des Anteils an biogenen Treibstoffen auf zehn Prozent entschieden werde.

Unterstützung von SPÖ
Unterstützung kam dazu heute von der SPÖ. "Es ist längst überfällig, dass eine grundsätzliche Diskussion über die Auswirkungen von agrarischen Treibstoffen geführt wird", so SPÖ-Umweltsprecherin Petra Bayr. Nach der anfänglichen Euphorie über diese Agrartreibstoffe gelangten nun immer mehr Staaten zur Einsicht, dass diese keineswegs das angebliche Allheilmittel im Kampf gegen den Klimawandel sind. Bayr fordert daher erneut eine Nachdenkpause und ein Moratorium für das 10-Prozent-Ziel der EU bei Agrotreibstoffen.




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