15. Dezember 2008 20:47

Leere Geldbörsen 

70 Millionen minus bei Spenden

Die Wirtschaftskrise bringt auch viele Hilfsorganisationen in Schwierigkeiten. Das Spendenminus könnte dramatische Folgen haben.

70 Millionen minus bei Spenden
© sxc

Die Weltfinanzkrise dämpft zwar bisher nicht die Shoppinglust der Österreicher, dafür aber umso stärker die Spendenbereitschaft: Die meisten Hilfsorganisationen rechnen ­sogar mit Einbrüchen zwischen 10 und 20 Prozent, wie ein ÖSTERREICH-Rundruf am Montag ergeben hat.

Bis zu 70 Millionen Euro fehlen
Die Folgen wären dramatisch: Angesichts dieser Tendenz könnte das gesamte Spendenminus zwischen 35 und 70 Millionen Euro ausmachen, da im Vorjahr geschätzte 350 Millionen Euro an gemeinnützige Organisationen geflossen sind. Einig sind sich die Experten über die Ur­sachen für den Rückgang: „Zunächst hat sich die Teuerungsdebatte durch den Wahlkampf bis in den Herbst hineingezogen und danach gab es laufend Horrormeldungen über die Finanzkrise“, klagt Günther Lutschinger vom Fundraising-Verband Austria im ÖSTERREICH-Gespräch.

Fast vier Millionen Euro weniger für die Caritas
Auf keine rosigen Zeiten steuert auch die Caritas zu: „Allein bei der August-Sammlung haben wir einen Rückgang von 10 bis 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet“, berichtet Generalsekretär Stefan Wallner. Für das Gesamtjahr rechne man mit einem Minus von zehn Prozent bzw. rund 3,7 Millionen Euro.

Derzeit noch etwas weniger dramatisch ist die Lage beim Roten Kreuz: „Der Spendenrückgang liegt zwischen 5 und 10 Prozent. Aber wir haben nach wie vor viele treue Mitglieder und Spender“, wie es aus dem Verein heißt.

Laut Licht ins Dunkel-­Erfinder Kurt Bergmann wirkt sich die Finanzkrise allerdings doppelt auf die Spendenwilligkeit der Bevölkerung aus: „Die Wohlhabenderen spenden im Regelfall etwas weniger – im Gegenzug wird das Spendenbewusstsein bei den ärmeren Schichten größer. Wahrscheinlich weil Sie bald näher an der Not dran sind“, sagte Bergmann zu ÖSTERREICH.

Bergmann hofft auf „Weihnachtswunder“
Der 73-Jährige hofft jetzt auf die Folgen der geplanten Absetzbarkeit von Zuwendungen. „Dadurch sollten die Spenden zumindest langfristig wieder zunehmen.“ Diese seit Jahrzehnten geforderte Entlastung sei jedenfalls „­eines der größten Weihnachtswunder meines Lebens“, betont Bergmann.

Wie berichtet, will ÖVP-Finanzminister Josef Pröll mit diesem Steuerbonus auf die massiven Spendeneinbrüche reagieren. Heute steigt dazu ein großer „Spendengipfel“.




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