24. September 2007 17:43

Fabriken verlassen 

73.000 Arbeiter bei General Motors streiken

Beim US-Autobauer General Motors wird seit Montag gestreikt. Am Vormittag wurde die Arbeit niedergelegt.

73.000 Arbeiter bei General Motors streiken
© EPA
73.000 Arbeiter bei General Motors streiken
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Beim Opel-Mutterkonzern General Motors wird seit Montag gestreikt. Die Beschäftigten haben nach Ablauf einer von der Gewerkschaft gesetzten Frist die Arbeit niedergelegt, sagte GM-Sprecher Dan Flores. Rund 73.000 Mitglieder der US-Autoarbeitergewerkschaft UAW (United Auto Workers) arbeiten für General Motors. Die Gewerkschaft will den Streik erst bei einer Einigung mit GM beenden. Das US-Präsidialamt rief beide Seiten auf, den Streit in Gesprächen zu lösen.

GM enttäuscht vom Streik
Der Autobauer zeigte sich enttäuscht von dem Streik. Man wolle jedoch weiterhin mit der Gewerkschaft zusammenarbeiten, um gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen zu finden, sagte Flores. GM hatte sich in den Verhandlungen für einen Gesundheitsfonds eingesetzt, um rund 51 Mrd. Dollar (36,1 Mrd. Euro) an Kosten für die Gesundheitsfürsorge von ehemaligen Mitarbeitern aus den Büchern zu tilgen. Der Konzern muss fast 339.000 Rentner und überlebende Angehörige versorgen.

Tarifvertrag seit 14. September nur stündlich verlängert
Der Tarifvertrag war bereits am 14. September abgelaufen; die UAW verlängert ihn seitdem auf stündlicher Basis. UAW-Präsident Ron Gettelfinger zeigte sich nach den 20-tägigen bisher ergebnislosen Verhandlungen verärgert: "Wir sind enttäuscht und schockiert, dass GM nicht anerkennt, was die Gewerkschaftsmitglieder in den vergangenen vier Jahren zu der Unternehmensentwicklung beigetragen haben". Gettelfinger machte keine Angaben zu den Forderungen der Arbeitnehmervertretung. Allgemein wird davon ausgegangen, dass die UAW Produktionsgarantien für die US-Werke fordert.

Kritik an Bonuszahlungen für Top-Management
UAW-Verhandlungsführer Cal Rapson kritisierte, das GM-Topmanagement habe sich auch in diesem Jahr wieder Bonuszahlungen genehmigt, von den Beschäftigten werde dagegen erwartet, dass sie einen Rückgang beim Lebensstandard hinnähmen. "Die Missachtung der Interessen der Beschäftigten durch das Unternehmen hat unsere Verhandlungskommission zu dem harten Vorgehen gezwungen", erklärte Rapson.

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Die amerikanische Automobilarbeitergewerkschaft United Auto Workers hat damit nach wochenlangen Drohungen den ersten landesweiten Streik gegen General Motors seit Jahrzehnten ausgerufen. Der Streik wurde von Gewerkschaftspräsident Gettelfinger am Montag auf einer Pressekonferenz in Detroit bekannt gegeben.

Intensivverhandlungen brachten keinen Tarifvertrag
Gettelfinger verwies auf die umfangreichen Konzessionen, die die GM-Mitarbeiter bereits während des am 14. September ausgelaufenen vierjährigen Tarifvertrages gemacht hätten. Der Streik hatte begonnen, nachdem zehntägige Intensivverhandlungen keinen neuen vierjährigen Tarifvertrag bei GM gebracht hatten.

Rasant steigende Krankenversicherungskosten als Problem
GM hatte bei den Verhandlungen weitreichende Konzessionen bei den rasant steigenden Krankenversicherungskosten für die vielen Betriebsrentner, Lohnkonzessionen und andere Zugeständnisse von der Gewerkschaft gefordert. Damit will GM den Abstand bei den Arbeitskosten von 25 bis 30 Dollar je Stunde zu den US-Fabriken von Toyota, Honda und anderer ausländischen Autokonzerne verringern. Die Gewerkschaft kämpft ihrerseits vor allem um eine Sicherung von Arbeitsplätzen.

Mächtige Gewerkschaft
Die UAW vertritt nach zahlreichen Werksschließungs- und massiven langjährigen Stellenabbau-Aktionen des Branchenführers nur noch 73.000 GM-Arbeiter. GM verfügt in den USA über 82 Auto- und Teilefabriken sowie andere Betriebe. Die Gewerkschaft hat einen riesigen Streikfonds von 800 Mio. Dollar und zahlt den GM- Arbeitern im Streikfall 200 Dollar pro Woche. Sie kann sich somit einen langen Streik leisten.

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General Motors hat nach Darstellung von Automobilfachleuten so hohe Lagerbestände, die den Verkauf für 60 bis 65 Tage abdecken könnten. Ein langer Ausstand könnte den Branchenführer allerdings Milliarden kosten.

Bereits Freisetzung zehntausender Arbeiter vereinbart
GM wollte die 50 Milliarden Dollar hohen Kosten für knapp 340 000 GM-Betriebsrentner und ihre Angehörigen auf einen von der Gewerkschaft zu verwaltenden und von dem Autokonzern teilweise zu finanzierenden Sonderfonds übertragen. GM hatte mit der Gewerkschaft bereits früher die Schließung von einem Dutzend weiterer Fabriken bis Ende 2008 und die Freisetzung zehntausender Arbeiter vereinbart.

Letzter landesweiter Streik 1970
Die UAW hatte einen "nationalen" Streik gegen alle amerikanschen GM-Fabriken zuletzt im Jahr 1970 ausgerufen. Zwischenzeitlich waren durch einen langen kostspieligen Streik in zwei wichtigen GM-Fabriken in Flint (US- Bundesstaat Michigan) im Jahr 1998 der größte Teil der amerikanischen GM-Operationen wochenlang lahmgelegt worden. Die Gewerkschaft muss außer mit General Motors auch mit Ford und Chrysler neue vierjährige Tarifabkommen aushandeln.




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