10. Oktober 2008 18:55

Finanzkrise 

ATX schließt bei minus 7,4 Prozent

Finanzwerte verloren am Freitag um teilweise mehr als 20 Prozent. Ein Ende des Gemetzels ist nicht in Sicht.

ATX schließt bei minus 7,4 Prozent
© Reuters

Dramatik pur an der Wiener Börse: Was sich am Freitag abspielte, hat es nie zuvor gegeben. Angebahnt hatte sich das Debakel bereits am Donnerstagabend als der Dow Jones in New York neuerlich um mehr als 7 Prozent abstürzte. In der Nacht folgte dann Tokio mit knapp 10 Prozent minus, der Frankfurter DAX eröffnete 10 Prozent tiefer.

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In Wiener Händlerkreisen gab es nur eine Frage: Um wie viel sackt der Leitindex ATX zu Beginn ab? Spekulationen reichten bis zu unglaublichen 20 Prozent.

Handel ausgesetzt
So weit kam es aber nicht. Denn die Wiener Börse setzte den Handel wegen der drohenden Mega-Kursverluste zum ersten Mal in der Geschichte des heimischen Kapitalmarkts komplett aus. Die Nerven in den Handelsräumen der Wiener Banken ­lagen blank.

Nach überaus hektischen Gesprächen – auch mit der heimischen Finanzmarktaufsicht (FMA) – wurden neue Regeln beschlossen, die den Kurssturz zumindest einbremsen sollten: Unter anderem kann die Börse jetzt Aktien, die über 10 Prozent an Wert verlieren, vom Handel aussetzen und Spekulationen auf fallende Kurse verbieten.

Zweistellige Verluste
Um 12 Uhr startete schließlich der Handel. Das Ergebnis war eine Katastrophe – der ATX war im freien Fall und stoppte erst bei einem Minus von zehn Prozent. Das Kursgemetzel war fürchterlich, vor allem Finanztitel wurden regelrecht hingerichtet. So gab etwa Raiffeisen International zeitweise um mehr als 20 Prozent nach, die Erste Bank wurde ebenfalls schwer getroffen, und auch die Vienna Insurance Group (Wiener Städtische) war tief im zweistelligen Minus.

Im Verlauf des Tages kam es bei vier ATX-Titeln zu neuerlichen Handelsunterbrechungen. Betroffen waren Raiffeisen International, Vienna Insurance Group und die ebenfalls massiv nach unten gezogenen Titel Strabag und RHI.

Wieder 6 Milliarden weg
Insgesamt lösten sich an der Wiener Börse gestern rund sechs Milliarden Euro an Unternehmenswerten in Luft auf. Im Laufe des heurigen Jahres wurden damit bereits rund 100 Milliarden Euro vernichtet. Gestern gab es fast nur Verluste, im Plus waren nur ganz wenige Unternehmen und selbst die hatten in den vergangenen Tagen kräftig verloren.

Wie es weitergeht, ist völlig offen, die Märkte sind derart verunsichert und panisch, dass jede Prognose sinnlos ist, sagen Experten. Viel wird davon abhängen, ob es am Wochenende auf Welt- und europäischer Ebene zu politischen Lösungen kommt, um die Aktien-Flucht zumindest einigermaßen zu stoppen. Am gestrigen Horrortag präsentierten sowohl die USA als auch die EU keine neuen Maßnahmen. Banker kritisieren immer offener, dass sich die EU jetzt zusammenreißen müsse, kleinliche Streitigkeiten über nationale Verantwortlichkeiten seien angesichts der dramatischen Lage lächerlich.

Wall Street im Minus
Am Nachmittag blickte die Finanzwelt gespannt nach New York. Zuerst ein neuerlicher Schock: Der Dow Jones stürzte zur Eröffnung um 8 Prozent ab, erholte sich aber rasant und lag für Minuten sogar im Plus. Dann ging es wieder um mehr als 3 Prozent bergab.

Die europäischen Börsen und vor allem Wien zeigten sich zuerst bestürzt, dann erleichtert (der ATX hantelte sich kurz auf ein Minus von nur fünf Prozent hoch), um anschließend wieder in den freien Fall überzugehen. Zu Handelsschluss präsentierte sich der Wiener Leitindex mit einem satten Verlust von 7,4 Prozent.




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